Schule gegen sexuelle Gewalt – Start in Niedersachsen

17. August 2018

Im Rahmen eines Fachtages ist am 16. August in Niedersachsen der Startschuss für die bundesweite Initiative "Schule gegen sexuelle Gewalt" gefallen. Die Initiative verfolgt das Ziel, dass die mehr als 30.000 Schulen in Deutschland Konzepte zum Schutz vor sexueller Gewalt entwickeln. "Wir müssen alle gemeinsam dafür Sorge tragen, dass unsere Schulen Orte sind, in denen die Kinder und Jugendlichen sicher und angstfrei aufwachsen können. Die konsequente Umsetzung der Null-Toleranz gegen jede Form von Gewalt sollte dabei immer handlungsleitend sein. Die Themen sexuelle Gewalt bzw. Missbrauch müssen noch stärker in das Bewusstsein aller in Schulen Handelnden gelangen und wir müssen gemeinsam Handlungsstrategien zur Prävention entwickeln", erklärte Kultusminister Grant Hendrik Tonne bei der Eröffnung des Fachtages.

Passgenaue Schutzkonzepte und dem Zugang zu verlässlicher Hilfe für Betroffene
Präventions- und Interventionshandeln in pädagogischen Institutionen ist seit 2010 durch die Berichte von Opfern sexueller Übergriffe in Institutionen immer stärker in den Fokus der Öffentlichkeit gelangt. Mit der Initiative "Schule gegen sexuelle Gewalt" können Schulen einerseits zu Orten werden, an denen betroffene Schülerinnen und Schüler Hilfe finden, und gleichzeitig dafür sorgen, dass Missbrauch in der Schule selbst keinen Raum hat. Kernelement einer effektiven Prävention ist dabei die Erarbeitung eines für die jeweilige Schule passgenauen Schutzkonzeptes vor sexueller Gewalt einerseits und dem Zugang zu verlässlicher Hilfe für Betroffene andererseits.
Schule-gegen-sexuelle-Gewalt_Johannes-Wilhelm-Rörig_Dorina-Kolbe_Grant-Hendrik-Tonne_Foto-NDS-Kultusministerium_FenderFoto: © Niedersächsisches Kultusministerium / Fender | Johannes-Wilhelm Rörig, Unabhängiger Beauftragter, Dorina Kolbe vom Betroffenenrat und Kultusminister Grant Hendrik Tonne
Auf den Weg gebracht wurde die Initiative vom Unabhängigen Beauftragten der Bundesregierung für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM), Johannes-Wilhelm Rörig: "Die Initiative unterstützt Schulen dabei, nicht zum Tatort zu werden, und stärkt Schulen auf dem Weg, Schutzort zu sein, wo Kinder Hilfe und Unterstützung finden. Wir müssen uns immer wieder vor Augen führen, dass statistisch in jeder Schulklasse ein bis zwei Kinder von sexueller Gewalt betroffen sind. Sie erleiden sexuelle Gewalt meist in der eigenen Familie, bei Freizeitbeschäftigungen, durch Gleichaltrige oder mittels digitaler Medien. Sie brauchen in ihrer Schule kompetente Ansprechpersonen, die ihre Signale erkennen und wissen, was sie bei Vermutung oder Verdacht tun können. Kinderschutz braucht das verbindliche Engagement aller. Ich danke den Kultusbehörden der Länder, der GEW, dem VBE sowie den Lehrerverbänden und dem Bundeselternrat, dass sie die Initiative ‚Schule gegen sexuelle Gewalt' unterstützen. Mein besonderer Dank gilt den Schulen, die sich trotz ihrer vielfältigen Belastungen dafür engagieren, dass der Schutz der Kinder und Jugendlichen vor sexueller Gewalt bei ihnen zum gelebten Schulalltag wird."

Wichtige Ergänzung und Unterstützung bereits bestehender Präventivangebote
Kultusminister Tonne begrüßt die Initiative als wichtige Ergänzung und Unterstützung bereits bestehender Präventivangebote: "Die meisten niedersächsischen Schulen haben bereits vielfältige Programme oder Maßnahmen zur Vermittlung von Kinderrechten und zur Gewalt- oder Suchtprävention. Diese Programme und Maßnahmen des Präventionsbereiches sind seit Jahren bewährt. Die daraus resultierenden Ziele und Werte sind heute schon Bestandteil in Leitbildern von Schulen, als auch Thema in den fortzuschreibenden Schulprogrammen. Daran könnte ein Schutzkonzept, das besonders sexuellen Missbrauch in den Blick nimmt, anknüpfen", so Tonne.

Schulen seien für den Schutz vor sexueller Gewalt ein bedeutender Ort, weil nur hier alle Kinder und Jugendlichen erreicht werden können. Zudem seien erfolgreiche Bildung und Kinderschutz untrennbar miteinander verknüpft: "Mädchen und Jungen, die sexuelle oder andere Gewalt erleben, tragen ein hohes Risiko für schulischen Misserfolg. Auch aus diesem Grund gilt es den aktiven Kinderschutz konsequent zu unterstützen, und damit Schulerfolgschancen von Kindern zu verbessern", so Tonne.

Anlaufstelle für Opfer und Fragen sexuellen Missbrauchs und Diskriminierung in Schulen und Tageseinrichtungen für Kinder
In Niedersachsen gibt es seit dem Jahr 2012 als erstem und bisher einzigem Bundesland die unabhängige "Anlaufstelle für Opfer und Fragen sexuellen Missbrauchs und Diskriminierung in Schulen und Tageseinrichtungen für Kinder". Die Anlaufstelle berät sowohl betroffene Kinder, Jugendliche und Eltern als auch Schulleiterinnen, Schulleiter, Lehrkräfte und die pädagogischen Fachkräfte in Schulen und Kindertagesstätten. "Im Zuge der aktiven Beratungstätigkeit durch die Anlaufstelle hat sich im Zeitraum von nunmehr sechs Jahren ein stabiles landesweites Netzwerk zur Opferberatung mit den vor Ort tätigen Beratungsstellen entwickelt. In diesem Netzwerk wird eine vertrauensvolle interdisziplinäre Zusammenarbeit gepflegt", so Kultusminister Tonne.

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Quelle: Niedersächsisches Kultusministerium, 16.08.2018

Die Handreichung für die Schulpraxis "Umgang mit sexuellen Grenzverletzungen in niedersächsischen Schulen" steht ebenfalls auf der Website des Nds. Kultusministeriums als Download zur Verfügung.

Fachinformationen zur Initiative finden Sie unter www.schule-gegen-sexuelle-gewalt.de.

Anlaufstelle für Opfer und Fragen sexuellen Missbrauchs und Diskriminierung in Schulen und Tageseinrichtungen für Kinder

Anonym, telefonisch oder per E-Mail:

Hotline T (0511) 120 71 20
montags bis donnerstags von 8.00 bis 16.00 Uhr
freitags von 8.00 bis 12.00 Uhr
Außerhalb dieser Zeiten ist ein Anrufbeantworter geschaltet
anlaufstelle@mk.niedersachsen.de

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