Rechte aller Kinder auf körperliche und sexuelle Selbstbestimmung wahren

31. Mai 2016

Welttag-der-genitalen-Autonomie_LogoAnlässlich des vierten Jahrestags des sogenannten "Kölner Urteils" haben 38 Organisationen aus zehn Ländern und fünf Kontinenten am 7. Mai zum "Welttag der genitalen Autonomie" aufgerufen. Sie fordern die Durchsetzung der Rechte aller Kinder weltweit auf körperliche und sexuelle Selbstbestimmung. Am 7. Mai 2012 hatte das Kölner Landgericht ein richtungsweisendes Urteil verkündet, das erstmals eine medizinisch nicht indizierte Vorhautentfernung ("Beschneidung") eines Jungen nach geltendem Recht als strafbare Körperverletzung bewertet. Der seit 28. Dezember 2012 gültige, neu hinzu gefügte § 1631d BGB zur Beschneidung von Jungen stellt jedoch klar, dass eine Beschneidung im Rahmen des elterlichen Sorgerechts unter bestimmten Voraussetzungen möglich ist.

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte - BVKJ war mit Dr. Christoph Kupferschmid bei der zentralen Kundgebung in Köln vertreten: "Die männliche Vorhaut ist ein Organ mit mehreren physiologischen Funktionen. Ihre Entfernung hinterlässt daher einen bleibenden Schaden. Medizinische Beschneidungen bedürfen aus diesem Grunde wichtiger rechtfertigender Gründe. In Deutschland werden viel mehr Beschneidungen aus medizinischen Indikationen vorgenommen, als nach dem Stand der Wissenschaft zu erwarten wäre. Dies offenbart zumindest Mängel in der Ausbildung und Weiterbildung von Ärztinnen und Ärzten. Neuen Bestrebungen amerikanischer "Medizinethiker", weniger umfangreiche Formen von Mädchenbeschneidungen zu legalisieren, müssen wir als Ärzte entschieden entgegen treten. Bei religiösen Beschneidungen der Knaben opfert der Betroffene Körperfunktionen seinem Gott und seiner religiösen Gemeinschaft. Aus meiner Sicht kann ein solches Opfer nur von einem ausreichend reifen und einwilligungsfähigen Menschen gebracht werden."

Weitere Beteiligte sind u.a. der Facharbeitskreis Beschneidungsbetroffener im MOGiS e.V., Terre des Femmes - Menschenrechte für die Frau e.V., pro familia NRW und intaktiv e.V.

Die teilnehmenden Organisationen fordern den Schutz aller Kinder weltweit vor jeglicher Verletzung ihrer körperlichen und sexuellen Integrität unabhängig von Geschlecht, Herkunft, Religion und Tradition. Dazu gehöre die Rücknahme der gesetzlichen Erlaubnis für nicht-therapeutische Vorhautentfernungen ("Beschneidungen") an Jungen. Sie begründen dies u.a. mit der UN-Kinderrechtskonvention: Art. 2. (Schutz vor Diskriminierung), Art. 3 (Vorrang des Kindeswohls) und 24 Abs. 3 (Abschaffung schädlicher Bräuche) seien für alle Kinder weltweit zu gewährleisten.

Außerdem wird ein nationaler Aktionsplan zum systematischen und koordinierten Schutz von Mädchen, die von Genitalverstümmelungen bedroht sind, gefordert.

Auch Kinder mit atypischen körperlichen Geschlechtsmerkmalen seien vor medizinisch nicht notwendigen Genitaloperationen und weiteren Eingriffen zu schützen.

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Der Aufruf mit Stellungnahmen der unterzeichnenden Organisationen steht auf der Website des BVKJ als Download zur Verfügung.

Ein Video mit dem Beitrag von Dr. Christoph Kupferschmid, Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte in Deutschland, bei der zentralen Veranstaltung zum "Welttag der genitalen Autonomie" steht auf Youtube zur Verfügung.

Weitere Informationen unter genitale-selbstbestimmung.de

Mehr Rechtsinformationen zum Thema:

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Link zur Website des Niedersächsischen Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung
Familien in Niedersachsen