Missbrauchsbeauftragter zur Polizeilichen Kriminal­statistik 2017: Sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugend­liche bekämpfen und Jugend­medien­schutz modernisieren

11. Mai 2018

Anlässlich der Bekanntgabe der Polizeilichen Kriminalstatistik 2017 durch Bundesinnenminister Horst Seehofer fordert der Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, Johannes-Wilhelm Rörig, die Bundesregierung auf, sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche konsequent zu bekämpfen und für einen zeitgemäßen Kinder- und Jugendschutz im Netz einzutreten:

"Der Freiburger Fall des 9-jährigen Jungen, der jahrelang von seiner Mutter und ihrem Partner missbraucht und auch anderen Tätern im Internet angeboten wurde, ist leider kein Einzelfall. Immer öfter werden Missbrauchstaten gefilmt und im Darknet verbreitet und getauscht. Besonders erschreckend sind der Anstieg härtester, auch sadistischer Gewaltszenen, sowie die zunehmende Zahl von Missbrauchsabbildungen von Kleinkindern und Babys. Der enorme Anstieg in Deutschland bei sogenannter Kinderpornografie um 14,5 Prozent und bei sogenannter Jugendpornografie um 24 Prozent zeigt das erschütternde Ausmaß.

Bei sexuellem Kindesmissbrauch sind die Fallzahlen mit 11.500 Straftaten für das Jahr 2017 im Vergleich zu den Vorjahren (rund 12.000 Fälle in 2016, rund 11.000 Fälle in 2015) weitgehend unverändert geblieben. Das Dunkelfeld ist um ein Vielfaches größer. Wir müssen deshalb davon ausgehen, dass sich der Missbrauch tausender Kinder unerkannt fortsetzt.

Gefahren sexueller Gewalt durch digitale Medien
Auch die Gefahren sexueller Gewalt mittels digitaler Medien steigen. Rund 95 Prozent aller Mädchen und Jungen ab 12 Jahre haben ein internetfähiges Smartphone. In Spielen und Chats agieren und kommunizieren sie unkontrolliert im Netz. Sie werden dort zunehmend mit Sexting-Bildern bloßgestellt und erpresst, sind Cybergrooming ausgesetzt oder werden ungewollt mit Pornografie konfrontiert.

Aktuelle Studien bestätigen diese Entwicklung. Es wäre skandalös, wenn die Bundesregierung jetzt nicht endlich alle gesetzlichen, personellen und finanziellen Möglichkeiten ergreift, um sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche besser zu bekämpfen und die großen Lücken beim Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt zu schließen.

Jugendmedienschutz modernisieren und IT-Wirtschaft gesetzlich verpflichten
Jugendmedienschutz muss dringend modernisiert und die IT-Wirtschaft auch gesetzlich verpflichtet werden, den Kinder- und Jugendschutz im Netz zu realisieren. Zusätzlich fordere ich eine umfassende Qualifizierung und Aufstockung des Personals bei Justiz und Strafverfolgung und die rechtliche und technische Verbesserung der Ermittlungsmöglichkeiten, zum Beispiel durch die Einführung einer Versuchsstrafbarkeit bei Cybergrooming. Sexualstraftäter dürfen sich nicht mehr sicher fühlen."

Zahlen und Fakten

Die Polizeiliche Kriminalstatistik weist für die Verbreitung, den Erwerb, den Besitz und die Herstellung von sogenannter kinderpornografischen Schriften für das Jahr 2017 6.500 Fälle aus (das sind 14,5 Prozent mehr als in 2016) und hinsichtlich der Verbreitung von sogenannten jugendpornografischen Schriften 1.300 Fälle (das sind 24 Prozent mehr als in 2016).

Im Jahresbericht 2017 der Internet Watch Foundation (IWF) wird darauf hingewiesen, dass die Anzahl der aufgefundenen Websites mit sogenannten kinderpornografischen Inhalten im Vergleich zum Vorjahr um 35 Prozent gestiegen ist, im Vergleich zu 2014 hat sie sich mehr als verdoppelt (von rund 31.000 Websites im Jahr 2014 auf rund 68.000 Websites im Jahr 2016 und auf über 80.000 Websites im Jahr 2017). Nach Angaben der IWF zeigen 35 Prozent der kinderpornografischen Websites Vergewaltigungen oder sexualisierte Folter von Kindern, 55 Prozent der abgebildeten Kinder sind unter 10 Jahre alt und 2 Prozent der Kinder jünger als 2 Jahre. 86 Prozent der Kinder sind Mädchen.

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Die Auswertung der Polizeilichen Kriminalstatistik 2017 zu Zahlen kindlicher Gewaltopfer wird am 5. Juni auf der Bundespressekonferenz gemeinsam von der Deutschen Kinderhilfe, dem Bundeskriminalamt und dem Unabhängiger Beauftragter für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs vorgestellt.

Unabhängiger Beauftragter für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, 08.05.2018

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