berta: Neues Beratungsangebot für Betroffene organisierter sexualisierter und ritueller Gewalt

9. Mai 2019

berta_LogoAm 3. Mai 2019 ist beim "Hilfetelefon Sexueller Missbrauch" das neue telefonische Angebot "berta" (Tel. 0800 3050750) gestartet. "berta" ist die erste bundesweite, kostenfreie und anonyme Anlaufstelle für Betroffene von organisierter sexualisierter und ritueller Gewalt.

"berta" bietet Menschen Entlastung, Beratung und Unterstützung beim Ausstieg aus organisierten sexualisierten und rituellen Gewaltstrukturen und unterstützt darüber hinaus alle, die sich um jemanden sorgen, einen Verdacht haben oder Informationen zum Thema suchen. "berta" ist Teil des "Hilfetelefon Sexueller Missbrauch", dem telefonischen Unterstützungsangebot des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM) unter der fachlichen Leitung von N.I.N.A. e.V. (Nationale Infoline, Netzwerk und Anlaufstelle zu sexueller Gewalt an Mädchen und Jungen).

Die Fachkräfte von "berta" sind psychologisch und pädagogisch ausgebildet und verfügen über langjährige persönliche Erfahrungen mit organisierter und ritueller Gewalt. Sie beraten beim Ausstieg und allen damit verbundenen Fragen. Sie geben Informationen und zeigen – wenn gewünscht – weitere Möglichkeiten der Hilfe und Unterstützung auf. Jedes Gespräch bei "berta" bleibt vertraulich. Der Schutz der persönlichen Daten ist zu jedem Zeitpunkt garantiert.

Definition organisierte sexualisierte und rituelle Gewalt
In organisierten und rituellen Gewaltstrukturen wird die systematische Anwendung schwerer sexualisierter Gewalt in Verbindung mit körperlicher und psychischer Gewalt an Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen durch die Zusammenarbeit mehrerer Täter und Täterinnen bzw. Täternetzwerke ermöglicht. Häufig ist dies mit kommerzieller sexueller Ausbeutung verbunden. Dient eine Ideologie zur Begründung oder Rechtfertigung der Gewalt, wird dies als rituelle Gewalt bezeichnet. In manchen Gewaltstrukturen sind Familien generationenübergreifend eingebunden. Organisierte und rituelle Gewaltstrukturen können eine umfassende Kontrolle und Ausbeutung von Menschen durch Mind-Control-Methoden beinhalten. Die planmäßige wiederholte Anwendung schwerer Gewalt erzwingt spezifische Dissoziationen bzw. eine gezielte Aufspaltung der kindlichen Persönlichkeit und führt dazu, dass Betroffenen, die sich anvertrauen, vielfach nicht geglaubt wird.

Eine Definition steht beim Fachkreis Sexualisierte Gewalt beim Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Kinder (BMFSFJ) zur Verfügung.

Weitere Informationen

Bei der vom UBSKM eingerichteten Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs haben sich von 2016 bis 2019 42 Betroffene von organisierter sexualisierter und ritueller Gewalt gemeldet. In einer Studie unter der Leitung des Kommissionsmitglieds Prof. Peer Briken, UKE Hamburg, an der 165 Betroffene teilgenommen haben, konnten die aus der Praxiserfahrung bekannten Themen erhoben und differenziert werden. Es wurde eine hohe Inanspruchnahme des psychosozialen Versorgungs- und Gesundheitssystem deutlich – bei immer noch ausgeprägten Versorgungslücken.

Die Ergebnisse der Studie wurden in dem Fachbeitrag "Organisierte und rituelle Gewalt in Deutschland" in der Zeitschrift Trauma und Gewalt veröffentlicht. Eine Zusammenfassung findet sich außerdem im Bilanzbericht der Aufarbeitungskommission (ab S. 118 ff.)

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Quelle: Unabhängiger Beauftragter für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs vom 02.05.2019

berta – Beratung und telefonische Anlaufstelle für Betroffene organisierter sexualisierter und ritueller Gewalt

T 0800 - 30 50 750 (bundesweit, anonym und kostenfrei)
dienstags 16 bis 20 Uhr und freitags 9 bis 13 Uhr (außer an Feiertagen und am 24. und 31. Dezember)
www.berta-telefon.de

Weitere Hilfeangebote

Hilfetelefon Sexueller Missbrauch
Beratung für Betroffene, Angehörige, Fachkräfte und weitere Interessierte
0800 - 22 55 530 (bundesweit, kostenfrei und anonym)

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Link zur Website des Niedersächsischen Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung
Familien in Niedersachsen