Präventionsstelle Kinderschutz-Konzepte zieht erste Zwischenbilanz

Das Kinderschutz-Zentrum Hannover unterstützt Einrichtungen und Verbände in Niedersachsen bei der Implementierung von Kinderschutz-Konzepten gegen sexuelle Gewalt und Übergriffe. Als Basisangebote stehen im Rahmen der Förderung des Landes Niedersachsens bis März 2014 vier kostenlose Projektbausteine zur Verfügung. Dipl.-Pädagogin Raquel Vazquez Perez ist Ansprechpartnerin des Projekts "Schutz vor sexualisierter Gewalt in Einrichtungen, Präventionsstelle Kinderschutzkonzepte". Wir haben sie zur ersten Zwischenbilanz befragt.

Frau Vazquez Perez, seit April 2011 sind Sie damit beschäftigt, das Projekt "Schutz vor sexualisierter Gewalt in Einrichtungen, Präventionsstelle Kinderschutzkonzepte" im Kinderschutz-Zentrum Hannover auf- und auszubauen. Worum geht es denn bei diesem Projekt?

Mit dem Projekt bieten wir pädagogischen Einrichtungen und Verbänden gleich mehrere Bausteine zur nachhaltigen Implementierung präventiver Kinderschutz-Konzepte gegen sexuelle Gewalt. Dazu gehören zum Beispiel Informations-veranstaltungen, die Qualifizierung von Fachkräften, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und die Etablierung eines Beschwerdemanagements / Verfahrens-ablaufs. Unsere Basisangebote sind für die Einrichtungen durch die Finanzierung des Niedersächsischen Sozialministeriums kostenlos - sie können als Paket oder separat gebucht werden. Außerdem gibt es zwei ergänzende Bausteine, die dann aber kostenpflichtig sind. Die "Präventionsstelle Kinderschutzkonzepte" konzipiert und koordiniert das Ganze, führt die Veranstaltungen jeweils vor Ort durch, entwickelt und veröffentlicht entsprechende Materialien.

Und welche Zwischenbilanz können Sie nach dem ersten Jahr ziehen?

Das Projekt ist mit 20 interessierten Institutionen gut angelaufen. Viele Einrichtungen möchten an dem Thema arbeiten und erkennen die Notwendigkeit zum Schutz von Kindern und Jugendlichen Konzepte umzusetzen. Angemeldet haben sich Kindertagesstätten, Heime, Beratungsstellen, teilstationäre Jugend-hilfeeinrichtungen, Jugendhilfeträger, Verbände des Deutschen Kinderschutz-bunds, Wohlfahrtsverbände und andere städtische und kirchliche Einrichtungen aus ganz Niedersachsen. Die Flexibilität des Projekts und die Möglichkeit, die Projektbausteine eigenverantwortlich zusammenstellen zu können, werden äußerst positiv wahrgenommen. Die Durchführung der verschiedenen Fortbildungsangebote war allerdings nicht so möglich, wie gedacht: in 2011 konnten lediglich vier Termine für Informationsveranstaltungen umgesetzt werden. Die meisten Termine zur Fortbildung und Verfahrensplanungen finden in 2012 statt. Deshalb gibt es in diesem Jahr nur noch wenige freie Termine. Einige Termine mussten sogar schon für 2013 vereinbart werden.

Woran liegt diese Verzögerung Ihrer Meinung nach?

Wir haben das Projekt ab Juni 2011 beworben. Die meisten Einrichtungen brauchten einfach mehr Zeit für die Vorbereitung. Bei der Enttabuisierung des Themas sexuelle Gewalt gegen Mädchen und Jungen in der eigenen Einrichtung muss man sensibel vorgehen. Auch, wenn sich Institutionen diesem Thema annähern möchten, gibt es durchaus Befürchtungen - beispielsweise, dass nach außen die Wahrnehmung entstehen könnte, es gäbe aktuell Vorfälle. Einige machen sich Gedanken darüber, ob durch die Intensität des Themas überhaupt andere wichtige Schwerpunkte parallel bearbeitet werden können. Die Implementierung von Kinderschutz-Konzepten durch die Thematisierung von sexueller Gewalt in der eigenen Einrichtung erfordert eben auch Mut: Man muss sich der Tatsache stellen, dass sexuelle Gewalt, Übergriffe und Grenzverletzungen tendenziell überall passieren können, wo sich Menschen bewegen. Das Projekt soll aber keine Angst machen, sondern dazu anregen, vorbeugend Maßnahmen zum Schutz von Mädchen und Jungen umzusetzen.

Und wie sieht die weitere Planung für 2012 aus?

Im Herbst 2011 haben wir mit bzw. für den niedersächsischen Landesverband des Paritätischen e.V. und den Landessportbund Niedersachsen e.V. Leitfäden bei Verdacht auf sexuelle Gewalt erarbeitet – diese sollen nun veröffentlicht werden. Neben der Durchführung der bereits vergebenen Veranstaltungstermine gibt es noch eine Menge zu tun: Die Handouts mit umfassenden Informationen für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Fortbildungen müssen entwickelt werden. Außerdem sind Materialien für haupt- und ehrenamtliche Fachkräfte geplant und Flyer bzw. Broschüren für Mädchen und Jungen. Auch die Darstellung des Projekts auf der Website des Kinderschutz-Zentrums Hannover soll verbessert werden, damit alle Informationen und Materialien besser zugänglich werden. Und natürlich werden wir prüfen, ob die geplanten Fortbildungsinhalte und Konzepte gut umzusetzen sind und an welchen Stellen noch nachgearbeitet werden muss. Darüber hinaus ist eine Fachtagung in Zusammenarbeit mit dem Fortbildungs-bereich des Kinderschutz-Zentrums in Hannover geplant, voraussichtlich im September.

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