PiAF - Prävention in aller Frühe | Kindertagesstätten und Gesundheitsdienst

Schulärztliche Untersuchungen im Landkreis Hildesheim belegen, dass es bei 35 bis 40 Prozent der sechsjährigen Kinder aus Risikofamilien gesundheitliche Probleme und Entwicklungsdefizite gibt, die den Schulerfolg gefährden. Dazu gehören Übergewicht, chronische Krankheiten, Auffälligkeiten und Störungen in der Grob- und Feinmotorik, Auffälligkeiten bei der Entwicklung von Sprache, in der Wahrnehmung und im Sozialverhalten. Mit dem Projekt PiAF will der Landkreis Hildesheim mit seinen Fachdiensten Gesundheitsamt und Erziehungsberatung in Zusammenarbeit mit den Kindertageseinrichtungen durch präventive Maßnahmen die Startchancen der betroffenen Kinder verbessern.

Im Alter von vier Jahren sind die wesentlichen Entwicklungsbereiche eines Kindes so weit fortgeschritten, dass ein Einschätzen von Stärken und Schwächen gut möglich ist. Entwicklungsrückstände können bis zur Einschulung noch gut korrigiert oder deutlich minimiert werden. Nahezu 95 Prozent der Altersgruppe besucht eine Kita. Deshalb konzentrieren sich die PiAF-Untersuchungen auf diese Zielgruppe. Auch Kinder, die nicht den Kindergarten besuchen, werden eingeladen.

Logo PiAFHintergrund
In Alfeld und Freden leben überdurchschnittlich viele Kinder in so genannten Risikofamilien. Im Vergleich zu anderen schulpflichtigen Kindern aus dem Landkreis Hildesheim liegen hier vermehrt Entwicklungsdefizite vor. Im Juni 2006 in der Region Alfeld-Freden als Modellprojekt gestartet, wurde das Angebot aufgrund der guten Ergebnisse 2011 auf den ganzen Landkreis ausgeweitet und deshalb kurzerhand umgetauft in "PiAF - Prävention in aller Frühe". Seit Sommer 2013 gilt das Angebot auch für alle Kinder im Gebiet der Stadt Hildesheim.

Am Projekt beteiligt ist ein Team aus Kinderärztin und Arzthelferin, Erzieherin, Psychologin oder PiAFSozialpädagogin. Die Anwesenheit der Eltern bei der interdisziplinären Beobachtung und sozialpädiatrischen Untersuchung des Kindes ist Pflicht. Im Fokus steht die gesamte kindliche Entwicklung: neben dem körperlichen Status, Hören und Sehen, die Sprach- und Wahrnehmungsentwicklung, motorische Fähigkeiten auch die emotionale Entwicklung sowie die Situation des Kindes im Kindergarten und in der Familie. Umgesetzt werden die Ergebnisse in enger Kooperation: der Kinder- und Jugendgesundheitsdienst kümmert sich um die erforderlichen medizinischen Maßnahmen. Die Fachkräfte der Jugendhilfe begleiten dann Eltern, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kita bei der gezielten Förderung einzelner Kinder. Von Anfang an werden Eltern sowie Erzieherinnen und Erzieher in die Untersuchung miteinbezogen, denn gezielte Hilfen im konkreten, alltäglichen Umfeld des Kindes, wie z.B. die Förderung beim Kinderturnen oder das kontinuierliche abendliche Vorlesen der Eltern, sind entscheidend. Eltern sind wichtige Helfer, die von der Ärztin, Pädagogin, Psychologin und Erzieherin ernst genommen und gezielt beraten und unterstützt werden.

Alle Maßnahmen, die die Kinder verlässlich erreichen sollen, werden vor Ort in der Kita eingerichtet. Fortbildungen und gemeinsame Elternabende mit Erziehungs-, Ernährungs- und Gesundheitsberatungen sowie Kita-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeitern erhöhen die Vermittlungskompetenz von Erzieherinnen, Erziehern und Eltern.

Kompetenzzentrum-Fruehe-Kindheit_LogoWissenschaftliche Begleitung
Wissenschaftlich begleitet wurde das Projekt vom Kompetenzzentrum Frühe Kindheit Niedersachsen der Stiftung Universität Hildesheim. In qualitativen Telefon- und Gruppeninterviews mit Eltern und externen PiAF-Kooperationspartnerinnen und -partnern sowie mit pädagogischen Leitungs- und Fachkräften der Kitas wurden die Maßnahmen des Projekts untersucht.

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