Stiftung Eine Chance für Kinder | Frühe Hilfen

Mit der aufsuchenden Hilfe von Familienhebammen möchte die Stiftung EINE CHANCE FÜR KINDER schwangere Frauen und Mütter / Eltern von Neugeborenen und Säuglingen in belastenden Lebenssituationen möglichst frühzeitig unterstützen. Ursprünglich in vier niedersächsischen Kommunen als Pilotprojekt gestartet (2002-2006), werden mittlerweile im Verantwortungsbereich von mehr als 45 der 60 niedersächsischen Jugendämter Familienhebammen als reguläre Hilfemaßnahme eingesetzt. 2010 wurde das Berufsbild Familienhebamme offiziell etabliert: Auf Initiative der Stiftung und des Landeshebammen-verbandes wurde die Qualifizierung zur Familienhebamme in den Katalog der staatlich anerkannten Weiterbildungen für Gesundheitsfachberufe aufgenommen. Dadurch hat die Qualifizierung zu Familienhebamme in Niedersachsen nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ einen erheblich höheren Stellenwert bekommen, als dies durch die Fortbildungen alleine möglich ist. Die Stiftung EINE CHANCE FÜR KINDER ist bundesweit die einzige staatlich anerkannte Weiterbildungsstätte für Familienhebammen. Die Arbeit der Stiftung wird von dem niedersächsischen Sozialministerium gefördert.

Etwa zehn bis fünfzehn Prozent aller Schwangeren und jungen Mütter / Eltern leben in schwierigen sozialen oder psychosozialen Lebenssituationen. Sie sind mit einer Schwangerschaft, der Entbindung und der anschließenden Betreuung ihres Kindes so überfordert, dass Kindesvernachlässigung oder sogar Kindesmisshandlung drohen. In der Regel haben Hebammen zu allen und so auch zu diesen Schwangeren und jungen Müttern / Eltern einen guten und barrierefreien Zugang, auch dann, wenn diese Frauen / Familien keine Hilfen durch ein Jugendamt oder eine Beratungsstelle annehmen wollen. Auf dieser Grundlage wurde der Einsatz qualifizierter freiberuflicher Familienhebammen von der Stiftung EINE CHANCE FÜR KINDER konzipiert.

Familienhebammen unterstützen und begleiten schwangere Frauen und junge Mütter / Eltern wenn nötig bis zum Ende des 1. Lebensjahres eines Kindes. So kann die Lebenssituation von Mutter / Eltern und Kind in diesem Zeitraum stabilisiert werden. Nach der Geburt des Kindes kümmern sie sich um die psychosoziale Entwicklung der Mutter / Eltern und um die gesunde Entwicklung des Säuglings. Sie achten auf eine stabile Eltern-Kind-Beziehung und stärken die elterliche Kompetenz. Die Mütter / Eltern lernen dadurch, ihre Kinder zu versorgen, sie gesund zu ernähren und sie nicht zu vernachlässigen. Diese Hilfe findet aufsuchend statt. Die Mütter / Eltern werden in erster Linie von verschiedenen Institutionen wie von Kinderärztinnen und Kinderärzten, Schwangerschaftskonflikt-beratungsstellen oder Suchtberatungsstellen, aber auch von Jugendämtern zugewiesen.

Logo der Stiftung Eine Chance für KinderBei drohender Gefahr für das Kindeswohl wird unverzüglich das Jugendamt eingeschaltet. Bei allen Betreuungen gibt es regelmäßige Besprechungen mit der für das Team zuständigen Koordinatorin, die sowohl die Fachberatung wie auch den Einsatz organisieren soll. Diese Koordinatorin übt eine "Scharnierfunktion" zwischen der zuständigen Behörde und den meist freiberuflich tätigen Familienhebammen aus. Der besondere Vorteil bei dem Einsatz von Familienhebammen liegt in der engen Vernetzung ihrer Arbeit mit der Tätigkeit anderer für das Kindeswohl verantwortlicher Institutionen wie auch dem Jugendamt.

Familienhebammen gehören heute in vielen niedersächsischen Kommunen zum erfolgreichen Konzept der Frühen Hilfen für Frauen / Familien in schwieriger physischer, psychischer oder sozialer Lage. Familienhebammen werden in den niedersächsischen Kommunen in unterschiedlichen Strukturen eingesetzt.

Da der Bedarf an Fachkräften für diese aufsuchende Arbeit zum Kindesschutz erheblich größer ist, als durch die für die Qualifizierung bereiten Hebammen gedeckt werden kann, werden seit dem Jahr 2012 in Kooperation mit dem Berufsverband der Kinderkrankenpflegerinnen auch Qualifizierungskurse für Kinderkrankenschwestern angeboten. Diese können als Familienkinderkrankenschwestern im Team mit Familienhebammen eingesetzt werden.

Die Stiftung selbst ist Trägerin des Einsatzes von Familienhebammen in mehreren niedersächsischen Kommunen. In diesen sowie in weiteren Landkreisen und Städten wird im Rahmen des Qualitätsmanagements eine standardisierte Dokumentation der Stiftung als Handlungsunterlage eingesetzt und jährlich ausgewertet.

Materialien der Stiftung

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