Ich bin ich, du bist du und das sind wir! | Prävention vor sexueller Gewalt

Untersuchungen belegen, dass Mädchen und Jungen im Alter von sieben bis neun Jahren am häufigsten von sexueller Gewalt betroffen sind. Deshalb richtet sich das Oldenburger Präventionsprogramm vor allem an Kinder im Grundschulalter und an deren Eltern. Mütter und Väter sollen aktiv einbezogen und dafür sensibilisiert werden, das Selbstwertgefühl ihrer Kinder zu stärken. Ihre Zustimmung zur Teilnahme am Programm ist Voraussetzung. Um möglichst alle Eltern zu erreichen, werden die Informationsmaterialien über das Präventionsprogramm und das Kinderschutz-Zentrum auch ins Türkische, Kurdische, Arabische, Russische und Spanische übersetzt. Darüber hinaus ist die mehrfache Fortbildung des gesamten Kollegiums der jeweiligen Schule zum Thema ein verpflichtender Bestandteil des Projektes.

Die einführende Lehrkräftefortbildung vermittelt Basiswissen zum Thema sexuelle Gewalt gegen Mädchen und Jungen sowie Handlungssicherheit im fachgerechten Umgang mit einer Vermutung oder einer Verdachtsbestätigung. Eine weitere Fortbildung über Inhalte, Methoden und Möglichkeiten von Präventionsarbeit nach Abschluss der Arbeit in der Klasse soll die Nachhaltigkeit des Programms gewährleisten.

Die Erziehungsberechtigten erhalten verschiedene Angebote, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Dazu gehören ein erster einführender Elternabend in das Thema, spezielle Mütter- und Väterabende während der Durchführung, begleitende individuelle Gesprächsangebote sowie ein Auswertungs- und Perspektiv-Elternabend am Ende der Arbeit in der Klasse. Die Mütter- und Väterabende als geschlechtsbewusste Form der Elternarbeit sind eine Innovation, mit der sehr gute Erfahrungen gesammelt wurden.

Die Arbeit mit den Kindern erfolgt über mehrere Wochen. Ziel ist die allgemeine Förderung von Lebenskompetenzen im Umgang mit schwierigen Situationen und die Förderung der Selbstwahrnehmung. Das Programm dient daher nicht nur der Prävention von sexueller Gewalt, sondern hat auch eine unspezifische Wirkung auf andere Gefahrenfelder.

Die Kinder werden in Mädchen- und Jungengruppen eingeteilt, damit sie einen Freiraum haben, sich mit ihren Fragen zu beschäftigen, ohne Anwesenheit des anderen Geschlechts. Für den Aufbau von Selbstbewusstheit und Selbstvertrauen werden Ich-Mappen gestaltet, Plakate erstellt und Rollenspiele eingeübt. Alle Schülerinnen und Schüler erhalten Angebote für Einzelgespräche. Die konkrete Arbeit mit den Jungen und Mädchen wird mit einer Lehrkraft reflektiert.

Das Kinderschutz-Zentrum kooperiert mit mehreren Einrichtungen vor Ort. Dazu gehören die Beratungsstelle des Kinderschutz-Zentrums "Vertrauensstelle Benjamin" sowie die Zusammenarbeit mit der Carl von Ossietzky Universität, die die Wirksamkeit des Ansatzes wissenschaftlich untersucht hat.

Übrigens!
Bereits seit 10 Jahren engagiert sich das Oldenburger Kinderschutz-Zentrum im Bereich Prävention gegen sexuelle Gewalt. Mit dem Unterrichtsprojekt "Ich bin ich, du bist du und das sind wir!" wurde in dieser Zeit etwa 1000 Grundschüler der 3. und 4. Klasse vermittelt, wie sie in gefährlichen Situationen angemessen reagieren. Anlässlich des Jubiläums hatte das Kinderschutz-Zentrum am 28. Februar 2008 in die Grundschule Wahnbeck eingeladen. Gekommen waren rund 120 Gäste, darunter viele Vertreter aus Schule und Jugendhilfe.

 < zurück