Meldungen zum Kinderschutz 2016

Hier finden Sie alle bereits veröffentlichten Meldungen zum Kinderschutz aus Niedersachsen, nach Einstelldatum sortiert.

Ein Jahr Kinderschutzambulanz Hannover

Kinderschutzambulanz-MHH_LogoEnde Januar 2011 wurde das Projekt Kinderschutz mit der Kinderschutzambulanz am Institut für Rechtsmedizin der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) eröffnet. Die Expertinnen und Experten unterstützen niedergelassene und klinische Ärztinnen und Ärzte bei der Diagnose von Kindesmisshandlung und -missbrauch. Wir haben die Leiterin des Projekts Kinderschutz, PD Prof. Dr. med. Anette S. Debertin, zum ersten Jahr befragt.

Frau Debertin, was können Sie uns nach etwas über einem Jahr zu den ersten Erfolgen der Kinderschutzambulanz sagen?

Unser Kinderschutzprojekt erfreut sich guter Nachfrage und wir bekommen interessante Fälle. Besonders freue ich mich über die gut gelungene kollegiale Zusammenarbeit mit den kurativ tätigen Ärztinnen und Ärzten. Es gibt viele Fälle, in denen wir für Entlastung sorgen können. Andererseits haben wir zunehmend auch Verletzungen, die sich als fremdverursacht herausstellen. Dort wird durch unsere rechtsmedizinische Bestätigung von den anfragenden Ärztinnen und Ärzten oder dem Jungendamt dann ein Ermittlungsverfahren eingeleitet.

Das Projekt Kinderschutz mit der Kinderschutzambulanz bietet Unterstützung und Beratung bei der Diagnose von Kindesmisshandlung und Kindesmissbrauch – sowohl über eine Telefonhotline als auch mit Untersuchungen in der Kinderschutzambulanz oder auch wohnortnah. Außerdem bieten Sie das bundesweit einmalige Online-Konsil "Forensikon" an. Wie wurden diese kostenlosen Angebote denn genutzt?

Bis zum Februar 2012 sind wir in 180 Fällen niederschwellig, d.h. projektbezogen befragt worden. Insgesamt haben wir 65 Kinder selbst untersucht - in unserer Ambulanz und außerhalb in Kliniken. Und wir haben 87 Telefonberatungen durchgeführt. Dabei ging es insbesondere um Fragen zur Interpretation von Befunden, um das Fallmanagement und um rechtliche Fragestellungen bezüglich der Intervention.

Und wie wurde die Online-Beratung angenommen? Wie genau funktioniert denn das "Forensikon"?

Das forensische Online-Konsil "Forensikon" ist ein Internetportal zur gesicherten Übermittlung von Fotos, Befunden oder Röntgenbildern. So können die behandelnden Ärztinnen und Ärzte vor Ort unklare Befunde bei Kindern fotografieren und für eine Bewertung anonym per Internet an das Institut für Rechtsmedizin schicken. Das "Forensikon" wurde an der MHH in Zusammenarbeit mit dem Peter L. Reichertz Institut für Medizinische Informatik und der IT-Choice AG speziell für diese Bedarfe entwickelt. Übrigens wurde es 2010 mit dem Karl-Storz Preis der Deutschen Gesellschaft für Telemedizin ausgezeichnet! Es ist ganz einfach zu nutzen und durch die Kooperation mit der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen ist das "Forensikon" ein schneller und sicherer Weg der Datenübermittlung. Er steht Ärztinnen und Ärzten der Fachrichtungen Allgemeinmedizin, Kinder- und Jugendmedizin und Gynäkologie im Mitgliederbereich der KVN-Website als Online-Dienst zur Verfügung. Sie können sich über einen Benutzernamen und ein Passwort einloggen. Die Daten sind dabei durch das bewährte Verschlüsselungssystem der KVN optimal geschützt. Bislang wurden von 25 Kindern Befunde online zur weiteren Beurteilung gesendet, die wir zeitnah beantwortet haben.

Eine weiteres Angebot des Projekts Kinderschutz an der MHH sind Fortbildungsveranstaltungen...

Wir haben bisher etwa 20 Vorträge zum Thema Kindesmisshandlung und sexueller Missbrauch gehalten und dabei das Projekt Kinderschutz vorgestellt. Viele weitere sind für 2012 zugesagt. Diese Vorträge und Fortbildungen halten wir auf "Zuruf" bei entsprechender Bedarfslage jeweils vor Ort.

Wie sieht denn die weitere Planung aus?

Momentan ist eine ausführlichere Datenanalyse in Bearbeitung. Sie soll voraussichtlich im Juni in Bonn und im September in Freiburg bei großen Fachtagungen der Deutschen Gesellschaft für Rechtsmedizin vorgestellt werden.

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