Aufarbeitungskommission Kindesmissbrauch gestartet

2. Februar 2016

Der Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, Johannes-Wilhelm Rörig, hat die sieben Mitglieder für die Aufarbeitungskommission Kindesmissbrauch berufen. Damit kann erstmals eine auf nationaler Ebene angesiedelte unabhängige Kommission sexualisierte Gewalt an Kindern in Deutschland umfassend aufarbeiten.

Der Deutsche Bundestag hat im Sommer 2015 über die Sicherstellung einer unabhängigen Aufarbeitung in Deutschland debattiert und sich mit deutlicher Mehrheit für die Einrichtung einer Aufarbeitungskommission ausgesprochen. Die Kommission wird ihre Arbeit Ende Januar 2016 aufgenommen und wird zunächst bis zum Ende der Amtszeit des Beauftragten, bis Ende März 2019, tätig sein.

Aufgaben
Die Kommission wird Missbrauch in Institutionen und im familiären Kontext in der Bundesrepublik Deutschland und der DDR untersuchen, Strukturen aufdecken, die Missbrauch in der Vergangenheit ermöglicht und Aufarbeitung verhindert haben, Forschungsbedarf identifizieren und Eckpunkte einer gelingenden Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch modellhaft für Einrichtungen und Organisationen entwickeln.

Hierzu wird die Kommission bundesweit Betroffenen das Sprechen ermöglichen, jenseits von Gerichtssälen und Therapieräumen. Zudem wird sie Zeitzeugengespräche, öffentliche Hearings und Fachveranstaltungen durchführen, schriftliche Berichte von Betroffenen auswerten, Archivrecherche und Dokumentenanalyse betreiben und vorliegende Aufarbeitungsberichte auswerten. International ist die Aufarbeitungskommission die erste Kommission, die Missbrauch in institutionellen Einrichtungen und in der Familie in den Fokus nehmen wird.

Vorsitz und Mitglieder
Neben Prof. Dr. Sabine Andresen als Vorsitzende wurden sechs weitere Mitglieder in die Kommission berufen: Dr. Christine Bergmann (Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend a. D.), Prof. Dr. Jens Brachmann (Bildungshistoriker), Prof. Dr. Peer Bricken (Psychiater und Psychotherapeut), Prof. Dr. Barbara Kavemann (Sozialwissenschaftlerin), Prof. Dr. Heiner Keupp (Sozialpsychologe) und Brigitte Tilmann (Präsidentin des Oberlandgerichts Frankfurt/M. a. D.). Zwei Mitglieder des Betroffenenrates beim Beauftragten, der Beauftragte und die Leiterin seines Arbeitsstabes sind ständige Gäste der Kommission.

Arbeitsweise
Die Kommission wird im Mai 2016 ihr Arbeitsprogramm für die kommenden drei Jahre vorstellen und über die konkreten Strukturen der Anhörungen und Gespräche informieren. Ein erster Zwischenbericht soll bereits 2017 veröffentlicht werden, ein abschließender Bericht zum Ende der derzeitigen Laufzeit der Kommission bis März 2019 vorgelegt werden. Die Kommission arbeitet unabhängig und wird unterstützt durch ein beim Arbeitsstab des Beauftragten angesiedeltes eigenes Büro und Kooperationen mit Wissenschaft und Forschung. Für die Jahre 2016 bis 2018 steht ein Budget von je 1,4 Millionen Euro pro Jahr zur Verfügung (rund 1,2 Millionen jährlich aus Mitteln des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, zuzüglich der Finanzierung von zwei juristischen Referent/-innen aus Mitteln des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz).

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Weitere Informationen in der Pressemitteilung des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs vom 26.1.2016 auf www.beauftragter-missbrauch.de.

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Link zur Website des Niedersächsischen Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung
Familien in Niedersachsen