Sexuelle Gewalt

Im Unterschied zu körperlicher oder seelischer Gewalt gegen Kinder, die häufig aus Hilflosigkeit und Überforderung ausgeübt werden, ist die sexuelle Gewalt an Kindern in der Regel ein planvolles, oft über Jahre andauerndes Verhalten, das sich in seiner Intensität allmählich steigert. Während Kindesmisshandlung von Männern und Frauen verübt wird, geht die sexuelle Gewalt überwiegend von Männern bzw. männlichen Jugendlichen aus.

2011 wurden in Deutschland 12.444 Kinder und Jugendliche als Opfer sexuellen Missbrauchs in der Polizeistatistik benannt. Die nicht angezeigten Fälle sowie die Dunkelziffer werden von unterschiedlichen Experten um ein vielfaches höher eingeschätzt.

Definition von sexueller Gewalt

Unter sexueller Gewalt versteht man sexuelle Handlungen eines Erwachsenen bzw. eines älteren Jugendlichen mit einem Kind, wobei Kinder diese Handlungen nicht wollen und nicht imstande sind, die Situation zu kontrollieren. Die Erwachsenen bzw. Jugendlichen nutzen ihre Macht als Ältere oder ihre Autorität innerhalb eines spezifischen Nähe- oder Abhängigkeitsverhältnisses (als Vater, Lehrer, Fußballtrainer o. ä.) aus, um ihre Interessen durchzusetzen. Sie erreichen dies, indem sie emotionalen Druck ausüben, die Loyalität eines Kindes ausnutzen, durch Bestechung mit Geschenken, Versprechungen, Erpressungen - oder aber auch mit dem Einsatz körperlicher Gewalt. Viele der erwachsenen Täter und Täterinnen verpflichten oder erpressen die Kinder zum Schweigen über den Missbrauch.

Sexuelle Gewalt ist nicht nur körperlicher Missbrauch

Es kann zwischen sexueller Gewalt mit Körperkontakt (Hands-on-Taten) und ohne Körperkontakt (Hand-Off-Taten) unterschieden werden (Muetzel et al. 2012). Formen sexueller Gewalt sind das Berühren des Kindes an den Geschlechtsteilen, die Aufforderung, den Täter anzufassen, Zungenküsse, oraler, vaginaler und analer Geschlechtsverkehr, Penetration mit Fingern oder Gegenständen. Auch Handlungen ohne Körperkontakt wie Exhibitionismus, Darbieten von Pornographie, sexualisierte Sprache sowie Herstellung, kommerzieller Handel und privater Tausch von Kinderpornographie sind sexuelle Gewaltakte. Durch das schnelle Internet gibt es hier einen einfach zugänglichen und schnell verfügbaren "Umschlagplatz".

Das Kind steht zwischen Gewalt und Zuwendung

Die Untersuchungen zu diesem Thema zeigen übereinstimmend, dass sexualisierte Gewalt gegen Mädchen und Jungen überwiegend im sozialen, institutionellen und familiärem Umfeld stattfindet. Ebenso werden Menschen mit pädosexuellen Neigungen zu Orten und Gelegenheiten hingezogen, die einen Kontakt mit Kindern ermöglichen.

Sexueller Missbrauch ist in allen gesellschaftlichen Schichten zu finden. Die Täter und Täterinnen missbrauchen das Vertrauen der Opfer und nutzen dabei die Macht- und Abhängigkeitsverhältnisse zwischen Erwachsenen und Kindern aus. Die Folge können Schuld- und Schamgefühle, Angst vor Drohungen, Selbstverletzungen und eine tiefgreifende Verunsicherung sein.

zurück

zurück

Link zur Website des Niedersächsischen Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung
Familien in Niedersachsen