Schutz, Würde und Perspektiven für Kinder in Flüchtlingsunterkünften – Bilanz der Bundesinitiative

20. November 2018

Seit 2015 haben schätzungsweise eine halbe Million geflüchtete Kinder und Jugendliche in Deutschland Asyl beantragt. Vor allem Kinder und Jugendliche in Flüchtlingsunterkünften befinden sich häufig über lange Zeit in einer schwierigen Lebenssituation. Oftmals leben sie über viele Monate oder sogar Jahre in Unterkünften, die in vielen Fällen nicht sicher und nicht kindgerecht sind.

Die von UNICEF und dem Bundesfamilienministerium 2016 ins Leben gerufene Bundesinitiative zum "Schutz von geflüchteten Menschen in Flüchtlingsunterkünften" hat verdeutlicht, wie die Rechte der Mädchen und Jungen besser gewahrt werden können. Um die Sicherheit von Kindern, Frauen und anderen schutzbedürftigen Gruppen in Flüchtlingsunterkünften zu gewährleisten, hatte die Bundesinitiative in den letzten drei Jahren Mindeststandards entwickelt und diese kontinuierlich verbessert.

Anlässlich einer Bilanzveranstaltung der Initiative in Berlin betont Bundesfamilienministerin Franziska Giffey: "Jedes Kind hat die gleichen Rechte auf Schutz und faire Chancen – egal, woher es kommt und wer seine Eltern sind. Damit es jedes Kind packt, müssen wir allen ein gutes und sicheres Aufwachsen ermöglichen. Das gilt natürlich auch für geflüchtete Kinder. Im Rahmen der Bundesinitiative haben wir Leitlinien zum Schutz geflüchteter Menschen in Flüchtlingsunterkünften entwickelt und diese inzwischen in rund 100 Flüchtlingsunterkünften erprobt. Ich freue mich, dass sich diese Leitlinien bewährt haben und zum Vorbild für viele Einrichtungen und Träger geworden sind."

Folgende Fortschritte wurden erzielt:

  • bundesweit wurden erstmals einheitliche Standards zum Schutz geflüchteter Menschen in Flüchtlingsunterkünften entwickelt.
  • in rund 100 Konsultationseinrichtungen wurden Fachkräfte zum Gewaltschutz eingesetzt.
  • gemeinsam mit externen Partnern wurden standardisierte Verfahren zum Gewaltschutz umgesetzt.
  • umfassende Schulungsprogramme, an denen bereits über 2.250 Personen teilgenommen haben, unterstützen die Mitarbeitenden darin, Gefahren zu erkennen und ihre Handlungssicherheit zu stärken.
  • über 25.000 Menschen wurden in den Konsultationseinrichtungen direkt erreicht, darunter ein Drittel Kinder und Jugendliche.
  • in fast 100 Konsultationseinrichtungen wurden kinderfreundliche Orte und Angebote eingerichtet, damit Kinder und Jugendliche geschützte Räume sowie die Möglichkeiten haben, zu spielen, zu lernen, Kontakte zu knüpfen, Gehör zu finden und wieder ein Stück Normalität zu erfahren.

Georg Graf Waldersee, Vorsitzender des Deutschen Komitees für UNICEF, erklärt: "Kinder sollten so kurz wie möglich in Flüchtlingsunterkünften untergebracht werden, denn diese sind selbst unter den besten Bedingungen kein Ort für Kinder. Für alle bestehenden Einrichtungen müssen deshalb dringend Standards verbindlich gemacht werden, die die Umsetzung der Kinderrechte sicherstellen und die Bedarfe der Kinder und Eltern berücksichtigen. Solange Kinder in den Flüchtlingsunterkünften leben, müssen sie gut geschützt und gefördert werden."

Mindeststandards zum Schutz von geflüchteten Menschen
Die Bundesinitiative "Schutz von geflüchteten Menschen in Flüchtlingsunterkünften" wurde vom Bundesfamilienministerium und UNICEF ins Leben gerufen. Mittlerweile haben sich 37 national wie international tätige Verbände und Organisationen der Bundesinitiative angeschlossen. Sie alle eint das Ziel, den Gewaltschutz in den Unterkünften kontinuierlich zu verbessern und die Teilhabe und Integration von geflüchteten Menschen in der Gesellschaft zu unterstützen.

Mindeststandards-zum-Schutz-von-geflüchteten-Menschen-in-Flüchtlingsunterkünften_CoverIm Jahr 2017 wurde eine zweite Auflage der Mindeststandards veröffentlicht. Die Leitlinien für den Schutz von Kindern, Jugendlichen und Frauen wurden um Schutzkonzepte für geflüchtete Menschen mit Behinderungen und homosexuelle, bisexuelle, trans- und intergeschlechtliche Geflüchtete sowie für Menschen mit Traumafolgestörungen erweitert.

Noch bis Ende 2018 fördert das Bundesfamilienministerium in rund 100 Unterkünften die Stellen von Gewaltschutzkoordinatorinnen und -koordinatoren, die von UNICEF geschult und beim Erstellen und Weiterentwickeln eigener, auf die jeweilige Unterkunft zugeschnittener Schutzkonzepte unterstützt werden.

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Quellen: Unicef, 13.11.2018 und Bundesfamilienministerium, 13.11.2018

Mehr Informationen zur Bundesinitiative "Schutz von geflüchteten Menschen in Flüchtlingsunterkünften" auf www.gewaltschutz-gu.de

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Link zur Website des Niedersächsischen Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung
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