Steigende Zahlen von Genital­verstüm­me­lungen von Frauen und Mädchen: Kinder­schutz­bund fordert Aktions­plan zur Sensibilisierung

17. Oktober 2019

Jedes Jahr sind mehr Mädchen und Frauen in Deutschland von Genitalverstümmelung betroffen. Seit 2018 stiegen die Zahlen um acht Prozent an, im Vergleich zu 2014 sogar um 44 Prozent. Insgesamt sind in Deutschland demnach rund 70.218 von weiblicher Genitalverstümmelung betroffen, mehr als 17.600 Mädchen sind gefährdet, beschnitten zu werden. Das zeigt die aktuelle Dunkelzifferstudie des Menschenrechtsvereins Terre des Femmes. Die anlässlich des Weltmädchentages veröffentlichten Zahlen müssen ein Weckruf an Politik und Gesellschaft sein, so der Deutsche Kinderschutzbund e.V.: Er fordert einen Aktionsplan der Bundesregierung zur Sensibilisierung der betroffenen Gruppen in der Jugendhilfe, den Schulen und dem Gesundheitswesen. Weibliche Genitalverstümmelung muss verhindert werden. Betroffene brauchen Hilfe.

Weibliche Genitalverstümmerlung immer noch ein Tabuthema
Weibliche Genitalverstümmelung (engl. FGM – female genital mutilation) ist eine schwere Menschenrechtsverletzung und ein irreparabler Einschnitt in die psychische und physische Gesundheit von Mädchen und Frauen. Weder Politik noch Gesellschaft sind auf die Verschärfung dieses Problems bislang ausreichend vorbereitet: "Es gibt keine bundesweite Erhebung von Fallzahlen. Weder in der Lehramts- noch in der Erzieher- noch in der Lehrerausbildung wird weibliche Genitalverstümmelung thematisiert.", sagt Ekin Deligöz, Vizepräsidentin des Kinderschutzbundes.

Aktionsplan zur Sensibilisierung
DKSB_Logo_qDeligöz weiter: "Der Kinderschutzbund fordert einen Aktionsplan der Bundesregierung zur Sensibilisierung der betroffenen Gruppen: Alle Akteurinnen und Akteure aus Jugendämtern, Schulen, Verbänden und Medizin müssen an einen Tisch." Dort muss über ein umfassendes Konzept zum Schutz und zur Behandlung der betroffenen Mädchen beraten werden. "Weibliche Genitalverstümmelung ist ein Tabuthema. Niemand spricht darüber. Die betroffenen Kinder sind unsichtbar – aber mitten unter uns. Es ist unsere Aufgabe, sie zu schützen", fügt Deligöz hinzu.

Hintergrund Dunkelzifferstudie
Terre-des-femmes_LogoTerre des Femmes klärt bereits seit seiner Gründung über weibliche Genitalverstümmelung auf. Die Organisation steht im Austausch mit Diaspora-Communitys und bildet Multiplikatorinnen und Multiplikatoren aus, die das Tabu in den betroffenen Communitys brechen und die Menschen dort für das Thema sensibilisieren. Terre des Femmes fordert effektive Maßnahmen, um weibliche Genitalverstümmelung zu bekämpfen. Das Thema muss Bestandteil bei Aus- und Weiterbildungen zu medizinischen, pädagogischen, sozialen und juristischen Berufen werden. Nur so kann rechtzeitig eine Gefährdung erkannt und kompetent reagiert werden. Aufklärung über weibliche Genitalverstümmelung und Unterstützung der Betroffenen müssen flächendeckend gewährleistet werden.

Die detaillierte Statistik der Dunkelzifferstudie für Deutschland inklusive der Aufschlüsselung nach Bundesländern steht auf www.frauenrechte.de zur Verfügung.

zurück

zurück

Link zur Website des Niedersächsischen Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung
Familien in Niedersachsen