Kinderschutz im ländlichen Raum. Da geht noch was!

30. März 2017

Kinderschutz-Zentrum-Oldenburg+LK-Friesland_LogoZwei Jahre haben der Landkreis Friesland und das Kinderschutz-Zentrum Oldenburg Erfahrung in der Entwicklung von Konzepten zur Verbesserung des Kinderschutzes im ländlichen Raumes gesammelt. Ihre Erfahrungen haben sie in einem Fachtag in Oldenburg am 22. März 2017 der Fachöffentlichkeit zur Verfügung gestellt. 80 Gäste waren hauptsächlich aus Niedersachsen angereist. Auch Fahrtwege bis zur polnischen Grenze wurden auf sich genommen, um mit Ideen im Gepäck Zuhause die Situation der Kinder zu verbessern.

Das Land Niedersachsen unterstützt das Projekt in der Hoffnung, Erfahrungen und Informationen für weitere ländlich strukturierte Räume zu gewinnen.

Prof. Dr. Michael Herschelmann, der das Projekt auch wissenschaftlich begleitet, stellte in seinem Vortrag dar, dass guter Rat in der Thematik teuer und Zeitaufwendig ist. Erfolgreiche internationale Projekte (Neighbours Helping Neighbours, Strong communnities for Children) bedurften nicht nur immenser wirtschaftlicher Unterstützung, sondern auch langer Zeiträume in denen sich insbesondere das Gemeinwesen als zentraler Schutzfaktor in ländlichen Räumen entwickeln konnte. Wichtige Prinzipien seien "leave no family outside" und "people shouldn't have to ask".

Gute und unterstützende Lebensbedingungen für Familien schaffen
LK-Friesland_FamKi_LogoDie Erfahrungen in Friesland überschneiden sich mit diesen Erkenntnissen. Bürgerinnen und Bürger für die Thematik zu gewinnen - Das geht viel eher unter der Perspektive der Gestaltung guter und unterstützender Lebensbedingungen für Kinder und ihre Familien, als unter dem doch eher stigmatisierenden Kinderschutzbegriff mit dem "Gefahren verhindert werden sollen". Neben der lokal verankerten niedrigschwelligen Beratung in den Familien- und Kinderservicebüros (FamKiS) wurden in Friesland Arbeitskreise aus Fachkräften, Bürgerinnen und Bürgern gegründet. Diese nahmen sich Themen an, die in den jeweiligen Orten zentral für Kinder und Familien waren. Mobilitätsverbesserung oder die Bekanntmachung von vorhandenen Angeboten sind zwei Beispiele hierfür. Um Nachhaltigkeit zu gewährleisten und Anknüpfungspunkte für Familien und auch Beratende zu schaffen, begann ein landkreisweiter Prozess zur Planung gemeindespezifisch unterschiedlicher Familienzentren.

Dass ein solcher Prozess im ländlichen Raum spezielle Hürden zu meistern hat, wurde im dazugehörigen nachmittäglichen Workshop dargestellt. Spezialistinnen und Spezialisten zu den Themen "Gewinnung von Ehrenamt", "Verbesserung der regionalen Mobilität" und der "Gründung von Familienzentren nach unterschiedlichen Konzepten" boten in den angebotenen Workshops eine Plattform für fundierte Informationen und übergreifenden Erfahrungsaustausch.

"Wer sieht mich denn hier?" war die Frage des Mädchens in dem einstimmenden Theaterstück zu Beginn der Tagung. Um Kinder auf dem Land zu sehen, braucht es vielfältige und auch präventive Ansätze und einen langen Atem, oder wie es der Referent zum Thema Mobilität ausdrückte, "es braucht mindestens einen, wenn nicht ein Netzwerk aus engagierten "positiv Verrückten".

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Foto: Kinderschutz-Zentrum Oldenburg | v.l.: Andreas Böer, Niedersächsisches Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung, Olaf Meyer-Helfers, Leiter Fachbereich Jugend, Familie, Schule und Kultur im Kreis Friesland, Mareike van't Zet, Leiterin des Oldenburger Kinderschutz Zentrums und der Friesländer Landrat Sven Ambrosy.

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Quelle: Kinderschutz-Zentrum Oldenburg, 29.03.2017

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Link zur Website des Niedersächsischen Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung
Familien in Niedersachsen