Weibliche Genital­verstüm­melung: Bundes­frauen­ministerium stellt erste Studie mit Zahlen für Deutschland vor

13. Februar 2017

Anlässlich des Internationalen Tages gegen weibliche Genitalverstümmelung am 6. Februar hat das Bundesfrauenministerium erstmals eine empirische Studie mit Zahlen für Deutschland vorgestellt. Demnach leben hierzulande knapp 50.000 Frauen, die Opfer einer Genitalverstümmelung geworden sind. Nach Schätzungen sind zwischen 1.500 und 5.700 Mädchen, die in Deutschland leben, davon bedroht.

Staatssekretär Dr. Ralf Kleindiek, der die Ergebnisse der Studie am Montag präsentierte, unterstrich: "Die weibliche Genitalverstümmelung ist eine schwere Menschenrechtsverletzung. Sie verursacht unfassbare körperliche Qualen und seelisches Leid. Die Studie zeigt, dass das Thema auch bei uns in Deutschland hochaktuell ist - gerade auch vor dem Hintergrund von Flucht und Migration. Deshalb müssen wir handeln: Mit Aufklärung, Prävention und Strafverfolgung".

Der Studie zufolge ist die Zuwanderung von Frauen und Mädchen aus Ländern, in denen die weibliche Genitalverstümmelung besonders verbreitet ist, in Deutschland von Ende 2014 bis Mitte 2016 um 40 Prozent gestiegen. Die Zahl der Betroffenen stieg demnach um knapp 30 Prozent.

Integra_LogoDie vom Bundesfrauenministerium geförderte Studie wurde von Integra, der Dachorganisation von Nichtregierungsorganisationen (NRO) gegen weibliche Genitalverstümmelung, in Zusammenarbeit mit der Ramboll Management Consulting GmbH durchgeführt. Die fünf Hauptherkunftsländer, aus denen die meisten der in Deutschland betroffenen Frauen und Mädchen stammen, sind: Eritrea, Irak, Somalia, Ägypten und Äthiopien.

Weibliche Genitalverstümmelung ist nach deutschem Recht auch im Ausland strafbar (§ 226a StGB, § 5 StGB, Abs. 9a). Um Verstöße im Ausland zu erschweren, hat die Bundesregierung im Dezember 2016 auf Initiative des BMFSFJ eine Änderung des Passgesetzes beschlossen. Wer mit Mädchen oder Frauen ins Ausland reisen will, um dort eine Genitalverstümmelung vornehmen zu lassen, dem droht künftig der Entzug des Passes. Die Maßnahme dient der Verhinderung sogenannter "Ferienbeschneidungen". Hierfür reisen in Deutschland lebende Familien in den Ferien in ihre Herkunftsländer, um dort an den Mädchen eine Genitalverstümmelung durchführen zu lassen.

Das Bundesfrauenministerium leitet die Arbeitsgruppe zur Überwindung von weiblicher Genitalverstümmelung in Deutschland, in der sechs Bundesressorts, die Bundesländer, die Bundesbeauftragte für Migration, Flüchtlinge und Integration, die Bundesärztekammer sowie Integra vertreten sind. Die Arbeitsgruppe konzipiert und entwickelt Maßnahmen zur Überwindung weiblicher Genitalverstümmelung in Deutschland.

zurück

Empirische Studie zu weiblicher Genitalverstümmelung in Deutschland. Daten – Zusammenhänge – Perspektiven,
Freiburg, 2017, 57 Seiten. Download auf www.netzwerk-integra.de

BMFSFJ, 06.02.2017

Mehr zum Thema

Verstümmelung weiblicher Genitalien (§ 226a StGB)

SOS FGM - Notruf Genitalverstümmelung
TaskForce für effektive Prävention von Genitalverstümmelung e.V.

www.taskforcefgm.de
Notruf-Genitalverstümmelung_LogoSOS FGM setzt sich in Deutschland für den Schutz von Mädchen ein, denen die Genitalverstümmelung droht. Das Kinderschutzprojekt bündelt Notruf, Beratung und Opferhilfe und bietet Schutz- und Hilfsmaßnahmen für gefährdete bzw. betroffene Kinder. Betroffene Frauen und Mädchen, aber auch Bürgerinnen und Bürger, die konkrete Hinweise zur Gefährdung eines Mädchens haben, können sich an den Notruf (01803) 76 73 46 der Initiative wenden. Dort finden sie unbürokratisch und anonym Rat und Zugang zu medizinischer, psychologischer und sozialer Hilfe bzw. juristischen Beistand. SOS FGM berät außerdem Fachkräfte aus Polizei, Medizin, Gerichten, Schulen oder Jugendämtern in konkreten Verdachtsfällen und bietet Fortbildungen an.

zurück

Link zur Website des Niedersächsischen Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung
Familien in Niedersachsen