Forschungsprojekt ProChild – Prävention von Misshandlung und Förderung der psychischen Gesund­heit bei Kindern von Müttern mit Borderline-Störung

7. September 2020

Kinder von Müttern mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung haben ein deutlich erhöhtes Risiko, Gewalt und Vernachlässigung zu erleben. Viele der betroffenen Familien stehen im Kontakt mit dem Jugendhilfesystem. Im Forschungsverbund "ProChild" untersuchen die Freie Universität Berlin, Universität Bremen und Ruhruniversität Bochum in mehreren Teilprojekten, wie man solche Mütter besser unterstützen kann. In dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanzierten Forschungsprojekt werden verschiedene Aspekte des Themas "Mutter sein" untersucht.

Ziel des Vorhabens ist es zu überprüfen, ob ein neu entwickeltes Gruppentraining für Mütter mit einer Borderline-Störung dazu beiträgt, die Erziehungskompetenz der Mütter zu stärken sowie Gewalt und Vernachlässigung der Kinder zu reduzieren. Die Teilnahme der Mütter am Training soll zu einer gesunden Entwicklung der Kinder beitragen. Empfehlungen für eine verbesserte Zusammenarbeit zwischen der Jugendhilfe, dem Gesundheitswesen und den Familien werden abgeleitet.

Die Kompetenzen und Defizite der Mütter und ihrer Kinder werden auf verschiedenen Ebenen erfasst: Es wird überprüft, ob sich im Verlauf Veränderungen nachweisen lassen hinsichtlich epigenetischer Faktoren, im subjektiven Erleben, in der Emotionsregulation, in der Mutter-Kind-Interaktion sowie in der Kooperation zwischen Jugendhilfe, Gesundheitswesen und Familie.

Das übergeordnete Ziel ist es, neue und wirksame Wege zu finden, um den Kreislauf der Übertragung von Missbrauch und Gewalt von Eltern auf Kinder zu unterbrechen. Es wird erwartet, dass das Training für die Mütter die Erziehungs- und Emotionsregulationsfertigkeiten verbessert und so Kindesmisshandlung und Vernachlässigung in dieser Hochrisikogruppe verringert.

Erziehungskompetenzen steigern - Teilnehmerinnen gesucht
Bisherige Standardprogramme gehen nicht auf spezifische Schwierigkeiten und Bedürfnisse von Müttern mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung und auf die Konsequenzen für ihre Kinder ein. Deshalb wurde das ambulante Elterntraining "Borderline und Mutter sein" (Buck-Horstkotte, Renneberg & Rosenbach, 2015) entwickelt. Das Gruppentraining umfasst 12 wöchentlich stattfindende Sitzungen, die Interessentinnen auch zusätzlich zu einer ambulanten oder stationären Therapie wahrnehmen können. Ziel ist es, die Erziehungskompetenzen von Müttern mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung zu unterstützen und zu steigern. Inhaltliche Themen sind beispielsweise Achtsamkeit und Selbstfürsorge, kindliche Grundbedürfnisse, Stressbewältigung oder der Umgang mit Konflikten.

Im Rahmen der Studie sucht die Universität Bremen Mütter mit und ohne psychischen Beschwerden (Borderline-Persönlichkeitsstörung, Angststörung oder Depression), die bereit sind, Interviewfragen und verschiedene Fragebögen zu beantworten sowie gemeinsam mit ihrem Kind an kleinen alltagsnahen Übungen teilzunehmen. Gefragt sind Mütter mit einem Kind im Alter von 6 Monaten bis 6 Jahren. Für die Teilnahme gibt es eine Aufwandsentschädigung zwischen 50 und 120 Euro sowie ein kleines Geschenk für das Kind. Mütter mit einer Borderline-Störung nehmen außerdem kostenlos am Elterntraining "Borderline und Mutter sein" teil.

Infoflyer zur Studie für Kliniken und Institutionen sowie für Teilnehmerinnen gibt es auf der Website des Forschungsprojekts "ProChild" der Universität Bremen: www.uni-bremen.de. Kontakt für weitere Informationen zur Studie und zum Elterntraining: prochild@uni-bremen.de oder T 0421 / 218 68 544.

Verbundpartner und Teilprojekte

In fünf Teilprojekten werden an drei Studienzentren (Freie Universität Berlin, Universität Bremen und Ruhruniversität Bochum) Daten erhoben, zusammengeführt und daraufhin von den drei Zentren mit unterschiedlichen Schwerpunkten ausgewertet:

  • Teilprojekt 1 (Freie Universität Berlin, Prof. Dr. Babette Renneberg): Evaluation eines Trainings zur Förderung der Erziehungskompetenz von Müttern mit Borderline-Persönlichkeitsstörung.
  • Teilprojekt 2 (Ruhr-Universität Bochum, Prof. Dr. Silvia Schneider): Emotionsregulation und psychische Gesundheit von Kindern von Müttern mit Borderline-Persönlichkeitsstörung.
  • Teilprojekt 3 (Universität Bremen, Prof. Dr. Nina Heinrichs): Untersuchung des Familienklimas und der Beziehungsqualität in Mutter-Kind Dyaden bei Vorliegen einer Borderline-Persönlichkeitsstörung.
  • Teilprojekt 4 (Ruhr-Universität Bochum, Prof. Dr. Robert Kumsta): Untersuchung von mit dem Training zur Förderung der Erziehungskompetenz assoziierten epigenetischen Veränderungen bei Kindern von Müttern mit Borderline-Persönlichkeitsstörung.
  • Teilprojekt 5 (Freie Universität Berlin, Prof. Dr. Ulrike Urban-Stahl): Analyse der Kooperationsabläufe zwischen den Hilfesystemen (Kinder- und Jugendhilfe sowie Gesundheitswesen) hinsichtlich ihres Umgangs mit an Borderline-Persönlichkeitsstörung erkrankten Müttern und ihren Kindern.

"ProChild" wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen der Ausschreibung "Verhaltensstörungen im Zusammenhang mit Gewalt, Vernachlässigung, Misshandlung und Missbrauch in Kindheit und Jugend" gefördert.

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Quellen und weitere Informationen:

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Link zur Website des Niedersächsischen Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung
Familien in Niedersachsen