UNICEF-Bericht zu Flucht und Migration von Kindern

14. September 2016

Fast 50 Millionen Kinder und Jugendliche weltweit sind in Folge von Flucht und Migration entwurzelt - mehr als die Hälfte von ihnen (28 Millionen) wurden durch Konflikte aus ihrem Zuhause vertrieben. Millionen anderer Mädchen und Jungen haben ihre Heimat auf der Suche nach einem besseren, sichereren Leben verlassen. Diese Zahlen hat das UN-Kinderhilfswerk UNICEF im Report "Uprooted" veröffentlicht, der erstmals alle verfügbaren Informationen über die globale Situation mit Blick auf Kinder zusammenträgt.

Eine Krise der Kinder
Die Kinder und Jugendlichen, die oft traumatischen Situationen von Konflikt und Gewalt entkommen sind, sind auf der Flucht großen Risiken ausgesetzt: der Gefahr, bei der Bootsüberfahrt zu ertrinken, an Hunger und Durst zu sterben und Opfer von Menschenhandel, Kidnapping, Vergewaltigung oder Mord zu werden. In den Transit- und Zielländern begegnet ihnen häufig Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung. Trotzdem ist die Not der Familien in ihren Herkunftsländern häufig so groß, dass ihnen keine andere Wahl bleibt, als diese Gefahren in Kauf zu nehmen.

Die wichtigsten Fakten zu Flucht und Migration von Kindern
Kinder sind von Flucht besonders betroffen: Unter 18-Jährige stellen nur rund ein Drittel der Weltbevölkerung, aber die Hälfte der Flüchtlinge. Rund 45 Prozent aller Flüchtlingskinder unter dem Mandat des UN-Flüchtlingskommissariats (UNHCR) kamen 2015 aus Syrien und Afghanistan.

28 Millionen Kinder sind vor Gewalt und Konflikt auf der Flucht. Dazu gehören zehn Millionen geflüchtete Kinder, eine Million Mädchen und Jungen in Asylverfahren und schätzungsweise 17 Millionen Kinder und Jugendliche, die innerhalb ihres Landes auf der Flucht sind (Binnenvertriebene).

Immer mehr Kinder und Jugendliche verlassen ihre Heimat allein, ohne den Schutz der Eltern. 2015 haben über 100.000 sogenannte unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in 78 Ländern Asyl beantragt – das sind drei Mal so viele wie 2014. Unbegleitete Flüchtlingskinder sind besonders von Ausbeutung und Missbrauch bedroht.

Rund 20 Millionen Kinder haben aus unterschiedlichen Gründen ihr Heimatland als Migranten verlassen, beispielsweise um extremer Armut oder gewalttägigen Gangs zu entkommen. Viele von ihnen können leicht Opfer von Missbrauch werden oder werden eingesperrt, weil ihnen Papiere fehlen, sie einen unsicheren Rechtsstatus haben und ihr Wohlergehen nicht systematisch beachtet und erfasst wird. Kinder fallen häufig durch alle Raster.

Bildung als Fluchtgrund – Flucht als Bildungshindernis
Fehlende Bildungschancen sind für viele Kinder und ihre Familien einer der Hauptgründe, ihre Heimat zu verlassen. Jedoch ist für Flüchtlingskinder die Wahrscheinlichkeit, dass sie nicht zur Schule gehen, fünf Mal so groß wie bei anderen Kindern. Wenn sie überhaupt zur Schule gehen können, leiden sie häufig unter Diskriminierung, unfairer Behandlung und Mobbing.

Sechs Forderungen von UNICEF an die Regierungen

  • Geflüchtete und migrierte Kinder, insbesondere unbegleitete Kinder, müssen vor Gewalt und Ausbeutung geschützt werden.
  • Die Inhaftierung von Kindern aufgrund ihres Aufenthaltsstatus muss aufhören.
  • Die Wahrung der Familieneinheit ist der beste Weg, Kinder zu schützen und ihnen einen sicheren rechtlichen Status zu geben.
  • Alle geflüchteten und migrierten Kinder müssen Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung sowie psychosozialer Betreuung haben.
  • Fluchtursachen müssen bekämpft werden.
  • In den Transit- und Zielländern müssen Maßnahmen gegen Fremdenfeindlichkeit, Diskriminierung und Marginalisierung gefördert werden.

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unicef, 07.09.2016

Unicef-Bericht-zu-Flüchtlingskindern_ Uprootet_Cover

Uprooted
The growing crisis for refugee and migrant children

September 2016
140 Seiten

Entwurzelt
Erster globaler UNICEF-Report zu Flucht und Migration von Kindern

Zusammenfassung zentraler Ergebnisse
8 Seiten

Weitere Informationen sowie Download des Berichts und der deutschen Zusammenfassung auf www.unicef.de

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Link zur Website des Niedersächsischen Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung
Familien in Niedersachsen