Gemeinsam gegen sexuellen Miss­brauch: Materialien und Fortbildung für pädagogische Fachkräfte

26. Juni 2020

Gemeinsam-gegen-sexuellen-Missbrauch_LogoIm November 2019 startete das Projekt "Gemeinsam gegen sexuellen Missbrauch" der Landesstelle Jugendschutz Niedersachsen (LJS), das durch das Niedersächsische Sozialministerium gefördert wird. Zielgruppen des Projektes sind Fachkräfte in Kita, Schule und Jugendhilfe, Ziel des Projektes ist es, sie in ihrer Kompetenz und Handlungssicherheit im Umgang mit sexualisierter Gewalt an Kindern zu stärken. Fälle wie in Lügde, Bergisch Gladbach und zuletzt Münster zeigen, wie drängend diese Aufgabe ist. Sowohl im Hinblick auf die Intervention als auch bei der Prävention und Früherkennung von Gefährdungssituationen sind Menschen, die mit Kindern arbeiten, entscheidend für Unterstützung und Hilfe.

Entwicklung von Handlungssicherheit fürs Team
Zentraler Baustein des Projektes sind Inhouse-/Team-Fortbildungen, deren Inhalte an den Bedarf in der Einrichtung angepasst werden. Je nach Ausgangssituation geht es z.B. um die Vermittlung von Basiswissen zu sexualisierter Gewalt, um Methoden und Materialien für die Präventionsarbeit und um Handlungsorientierung für den Umgang mit Vermutungen oder aufgedeckten Fällen. Der persönliche Austausch im Team und die gemeinsame Auseinandersetzung mit dem Thema sind eine wichtige Grundlage für die Entwicklung von Handlungssicherheit, aber auch für die Vergewisserung über einen fachlichen Umgang mit Verunsicherungen, die bei der Konfrontation mit sexualisierter Gewalt unvermeidlich sind.

Aufgrund der Regelungen zur Eindämmung der Infektionsrisiken sind geplante Seminare des Projektes zunächst ausgefallen. Sie werden nachgeholt und sollen nach Möglichkeit als Präsenzveranstaltungen durchgeführt werden. Die LJS arbeitet aber auch daran, Inhalte und Materialien online verfügbar zu machen.

Corona-Pandemie verschärft das Gewaltrisiko
Mit Beginn den Corona-Pandemie und den Maßnahmen zum Infektionsschutz wiesen Kinderschutz-Expertinnen und Experten darauf hin, dass die Kontaktbeschränkung die Gewalt in Familien verstärken kann: Soziale Isolation ist ein zentraler Risikofaktor für alle Formen häuslicher Gewalt. Erste Studien bestätigen diese Befürchtungen in der Tendenz. Sie zeigen, dass die Corona-Pandemie die Lage für viele Kinder und Jugendliche eher noch verschärft hat. In Familien, die zurückgezogen oder in Quarantäne lebten, stieg das Gewaltrisiko für Kinder um etwa das Doppelte an.

Mit Infoflyern und Plakaten informieren
Familien, in denen die Lage vor Corona schon prekär waren, sind jetzt besonders gefährdet, aber auch in Familien, die bislang gut zurechtkamen, kann die Lage unter der momentanen Mehrfachbelastung von finanziellen Sorgen, Homeschooling und Homeoffice sowie fehlenden Entlastungsangeboten unter Umständen eskalieren. Unter dem Eindruck des Lockdowns und dem Gebot des "physical distancing" hat die Landesstelle Jugendschutz Infoflyer für "Familien im Stress" veröffentlicht, die neben einigen praktischen Ratschlägen auch Notruf-Nummern für Gewaltsituationen enthalten.

Entlastung – für Kinder wie für Eltern – bringen Alltagskontakte mit Menschen außerhalb der Familie. Gerade für Kinder in Notsituationen sind Erzieherinnen und Erzieher, Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter oder Lehrkräfte oft Personen, an die sie sich auch mit Problemen und Sorgen wenden können. Mit Beginn des Schulunterrichts sind daher innerhalb des Projekts "Gemeinsam gegen sexuellen Missbrauch" zwei Plakate zum Selbstausdruck für Schulen entstanden: eines für Kinder im Grundschulalter und eines für Jugendliche an weiterführenden Schulen. Diese Plakate mit dem Titel "Probleme Zuhause?" sollen betroffene Kinder und Jugendliche ermutigen, häusliche Probleme im Zusammenhang mit Corona in der Schule anzusprechen. Die Plakate können in jeder beliebigen Größe ausgedruckt und an zentralen Punkten der Schule aufgehängt werden: an der Infowand im Foyer oder der Pinnwand im Klassenzimmer. Neben bekannten telefonischen Hilfeangeboten enthalten die Plakate einen Bereich, den die Schule oder Einrichtung mit den Kontaktdaten der eigenen Ansprechpartner (beispielsweise aus der Schulsozialarbeit, Beratungs- oder Vertrauenslehrkräften) ausfüllen kann. Diese Plakate können auch als Gesprächsanlass genutzt werden, um zu thematisieren, dass es für Kinder und Jugendliche unter den momentanen Lebensbedingungen schwierig werden kann.

Mehr zum Projekt
Das Projekt "Gemeinsam gegen sexuellen Missbrauch" wird durch eine Evaluation der Ostfalia-Hochschule wissenschaftlich begleitet. In Fragebögen und einzelnen qualitativen Interviews soll ermittelt werden, wie Einrichtungen und Schulen im Hinblick auf das Thema aufgestellt sind, welche Umstände eine Auseinandersetzung mit dem Thema erschweren oder erleichtern können und was dabei hilft, Wissen und Haltungen im Arbeitsalltag dauerhaft zu verankern.

Für Ende August plant die Landesstelle Jugendschutz (LJS) die Veröffentlichung eines Arbeitsbuches, in dem Fachkräfte neben grundlegenden Informationen, Tipps zum Umgang mit dem Thema, Materialien und Hilfsangebote finden können. Informationen zum Projekt gibt es unter www.jugendschutz-niedersachsen.de/gemeinsam-gegen-sexuellen-missbrauch/

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Quelle: Landesstelle Jugendschutz Niedersachsen

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Link zur Website des Niedersächsischen Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung
Familien in Niedersachsen