Gefährdungseinschätzungen in Niedersachsen in 2017

LSN_Landesamt-für-Statistik-Nds_LogoDie Jugendämter in Niedersachsen haben im Jahr 2017 insgesamt 10.987 Verfahren zur Einschätzung des Kindeswohles, sogenannte Gefährdungseinschätzungen, durchgeführt. Wie das Landesamt für Statistik mitteilt, entspricht dies einem Anstieg von 7,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr (2016: 10.220 Verfahren). Insgesamt waren im Jahr 2017 mit 53,2 Prozent (5.846) der Verfahren mehr Jungen als Mädchen (46,8 Prozent, 5.141 Verfahren) betroffen.

Akute Kindeswohlgefährdung um rund 18 Prozent gestiegen
1.517 (13,8 Prozent) Verfahren wurden als "akute Kindeswohlgefährdung" bewertet. Die Zahl dieser Verfahren stieg um 18,2 Prozent gegenüber 2016 (1.283 Verfahren, 12,6 Prozent). Als häufigster Grund wurde in 872 Fällen Vernachlässigung angegeben. Anzeichen für körperliche Misshandlungen gab es in 481 Fällen, Anzeichen für psychische Misshandlungen in 466 Fällen und Anzeichen für sexueller Gewalt in 91 Fällen.

In 1.473 Verfahren (13,4 Prozent) konnte im Jahr 2017 eine Gefährdung des Kindes oder des Jugendlichen nicht ausgeschlossen werden, es lag eine "latente Kindeswohlgefährdung" vor. Die beiden häufigsten Gründe dafür waren Anzeichen für Vernachlässigung (893 Fälle) und Hinweise auf psychische Misshandlungen (399 Fälle).

Bei 4.079 Verfahren (37,1 Prozent) wurde keine Kindeswohlgefährdung und kein weiterer Hilfebedarf festgestellt. In 3.918 Fällen (35,7 Prozent) haben die Jugendämter keine Kindeswohlgefährdung festgestellt, aber weitergehenden Hilfebedarf in den Familien angeordnet.

Altersgruppen
In den Fällen, in denen eine Gefährdungseinschätzung vorgenommen wurde, waren beinahe ein Viertel der Kinder (2.547 Kinder) noch keine drei Jahre alt, von ihnen hatten 941 Kinder (8,6 Prozent) das erste Lebensjahr noch nicht vollendet. 2.047 Kinder (18,6 Prozent) im Kindergartenalter von drei bis fünf Jahren waren betroffen, ebenso 2.599 Kinder (23,7 Prozent) im Grundschulalter zwischen sechs und neun Jahren. Ein Fünftel der Kinder (2.233 Kinder) gehörte zur Altersgruppe 10 bis 13 Jahre, 14,2 Prozent waren Jugendliche im Alter zwischen 14 und 17 Jahren.

Durchschnittlich 14 Verfahren je 10.000 Einwohner
In Niedersachsen gab es damit im Jahr 2017 durchschnittlich 14 Verfahren zur Einschätzung der Gefährdungssituation von Kindern und Jugendlichen je 10.000 Einwohnerinnen und Einwohnern. In der Stadt Oldenburg wurden mit 32 Fällen je 10.000 Einwohner/-innen die meisten Verfahren innerhalb Niedersachsens registriert, gefolgt von dem Landkreis Osterholz mit 27 Verfahren je 10.000 Einwohner/-innen. Die wenigsten Verfahren zur Einschätzungen von Kindeswohlgefährdungen mit jeweils 2 Verfahren je 10.000 Einwohner/-innen wurden in den Landkreisen Hameln-Pyrmont und Holzminden durchgeführt.

Methodische Hinweise

Eine Gefährdungseinschätzung wird auf Basis des § 8a Absatz 1 Achtes Buch Sozialgesetzbuch (SGB VIII) - "Schutzauftrag bei Kindeswohlgefährdung" - vorgenommen. Ein solches Verfahren wird in Zusammenarbeit mehrerer Fachkräfte durchgeführt, wenn dem Jugendamt gewichtige Anhaltspunkte für die Gefährdung des Wohls des Kindes oder Jugendlichen bekannt werden. Eine Gefährdung des Kindeswohls liegt vor, wenn eine erhebliche Schädigung des körperlichen, geistigen oder seelischen Wohls bereits vorliegt oder droht.

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2 Tabellen mit detaillierten Informationen stehen als Download auf der Website des LSN zur Verfügung.

Pressemitteilung des Landesamtes für Statistik Niedersachsen, 14.11.2018

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Link zur Website des Niedersächsischen Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung
Familien in Niedersachsen