Institutionen zur materiellen Absicherung

Zwar kann man bei Sozialhilfe und Arbeitslosengeld nicht von einer eigenen Disziplin sprechen, dennoch handelt es sich hierbei um einen Bereich, der gerade im Zusammenhang mit der Vernachlässigung von Kindern bedeutsam ist und sich in der jüngsten Vergangenheit sehr verändert hat. Im Problemfeld der Kindesvernachlässigung kommt der Armut von Familien eine eminente Bedeutung zu (vgl. Zenz et al 2002). Daher sind Qualität und Umfang der sozialen Leistungen für Familien ein wichtiger Aspekt. Bekannt als Hartz-Reformen, insbesondere Hartz IV, haben die staatlichen Unterstützungsleistungen für Menschen mit keinem oder sehr geringem eigenen Einkommen einen erheblichen Paradigmenwechsel und strukturellen Wandel erfahren. Die meisten Menschen, die bis ins Jahr 2004 Sozialhilfe bezogen haben, sind nun – vorausgesetzt sie sind täglich mindestens drei Stunden arbeitsfähig – Empfänger von Arbeitslosengeld II. Damit haben sie in die Zuständigkeit der Bundesagentur für Arbeit bzw. der Jobcenter gewechselt und sind nicht länger die Klientel des Sozialamtes. Vorrangiges Ziel ist es, die Menschen zu veranlassen, eine Erwerbsarbeit aufzunehmen und den eigenen Lebensunterhalt zu bestreiten. Die Jobcenter haben die Aufgabe, Schwierigkeiten, die die Aufnahme einer Erwerbsarbeit verhindern, mit den Betroffenen auszuräumen. Neben Qualifizierungs- und Eingliederungsmaßnahmen können dies auch psychosoziale Hilfen und Angebote sein.

Durch die Hartz-Reformen hat die Kinderarmut einen weiteren erheblichen Anstieg erfahren. Seit Ende der 80er Jahre nimmt diese kontinuierlich zu. Durch den Wegfall der Arbeitslosenhilfe für Langzeitarbeitslose und das nunmehr stattdessen eingeführte Arbeitslosengeld II hat sich die Zahl armer Kinder verdoppelt. Die Leistungen nach dem SGB II, also das Arbeitslosengeld II, sind pauschaliert. Beihilfen, gerade auch für Haushalte mit Kindern, sind damit größtenteils weggefallen. Kinder von Arbeitslosengeld-II-Beziehern erhalten ein Sozialgeld, das nach Alter gestaffelt ist.

Die Agentur für Arbeit berichte für Juni 2014 von 160.327 Kindern unter 15 Jahren in Niedersachsen, die Empfänger von Sozialgeld waren bzw. zu den so genannten "nicht erwerbsfähigen Hilfebedürftigen" gehörten. Erweitert man diesen Kreis auf Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre, steigt die Zahl weiter an. Zum Vergleich: Ende 2004 lebten 111.674 Kinder bis 15 Jahre von der damals ausgezahlten Sozialhilfe. Hinzu kamen 18.617 Jugendliche im Alter von 15 bis 18 Jahren.

Eine Studie der Universität Frankfurt am Main zur Armut in Deutschland kommt darüber hinaus zu dem Ergebnis, dass davon auszugehen ist, "dass ein großer Teil der Anspruchsberechtigten die ihnen zustehende Leistung nicht beantragt bzw. nicht erhält". Es handelt sich hierbei vor allem um Erwerbstätige, deren Einkommen nur knapp oberhalb des Existenzminimums liegt, also um die so genannten "working poor". Die größte Bedürftigkeitsquote zeigt sich bei kleinen Kindern bis zwei Jahre. Insbesondere allein erziehende Mütter mit Kindern dieses Alters können keiner Erwerbstätigkeit nachgehen. Der Studie zufolge handelt es sich bei einem Drittel aller Bedürftigen um Kinder unter 18 Jahren (vgl. Becker 2006, S.2).

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Link zur Website des Niedersächsischen Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung
Familien in Niedersachsen