Unfallprävention

Kikuk - Kindersicherheit in Kita und Kommune

KiKuK_LogoVerletzungen durch Unfälle sind die Todesursache Nummer eins im Kindesalter und der häufigste Grund für eine Krankenhausbehandlung. Dabei können viele Unfälle vermieden werden, wenn entsprechende Sicherheitsmaßnahmen ergriffen werden. Das Projekt KiKuK (Mai 2013 bis Oktober 2014) hat dazu bei kommunalen Ressourcen angesetzt: Es nutzte die Multiplikatorenfunktion von Erzieherinnen und Erziehern, um das nötige Wissen in die Familien zu tragen, und zur Netzwerkarbeit an kommunalen und überregionalen Sicherheitsnetzwerken.

Ziel des Projektes war, vor allem häusliche Verletzungen in der Hochrisikogruppe von Kindern zwischen 0 bis 6 Jahren zu senken. Unter Verletzungen fallen Unfälle, aber auch absichtliche Verletzungen, die durch Vernachlässigung oder Gewalt verursacht werden. 

Kommunale Angebote vernetzen
33 Kommunen und über 270 Kitas in der Modellregion mit den Landkreisen Wesermarsch, Oldenburg, Diepholz und der Stadt Delmenhorst waren beteiligt. In drei Modulen wurden die Ressourcen von Eltern, Erziehern, Erzieherinnen und anderen kommunalen Akteuren und Akteurinnen (re)aktiviert: Dazu wurde eine Weiterbildung mit rund 30 Teilnehmerinnen abgeschlossen, insgesamt über 350 Interviews mit Akteuren geführt und über 200 Familien befragt.

Nach einer inhaltlichen Vorbereitungsphase, u.a. in enger Kooperation mit der Bundesarbeitsgemeinschaft Kindersicherheit, folgte eine Befragung wesentlicher Akteure in den beteiligten Kommunen und den Kitas dieser Region. Neben den üblichen Netzwerkanalysen sollte sie vor allem qualitativ dazu dienen, zugrundeliegende Einstellungen und Motivationen zu erfassen und die verschiedenen Kommunen bezüglich der Realisierung im Vergleich zu betrachten.

Kita als Knotenpunkt
In der Modellregion haben Erzieherinnen und Erzieher Kontakt zu 95 Prozent der Familien mit Kindern zwischen 0 und 6 Jahren. Daher sind sie die ideale Berufsgruppe, sicherheitsbezogenes Wissen in die Familien zu tragen und diese für Verletzungsgefahren in der Lebenswelt ihrer Kinder zu sensibilisieren. Um ihre Multiplikatorfunktion nutzen zu können, bot das Projekt Erzieherinnen und Erziehern eine dreistufige Weiterbildung an:

  • Sicheres Wissen über Verletzungen und Unfälle erlangen (Sicherheitsexperte)
  • Lernen, wie Wissen nachhaltig in Familien getragen werden kann (Sicherheitsmultiplikator)
  • Aktiver Teil eines kommunalen und überregionalen Sicherheitsnetzwerks werden (Sicherheitssupervisor)

Hintergrund

Verletzungen durch Unfälle sind die Todesursache Nummer eins im Kindesalter und der häufigste Grund für eine Krankenhausbehandlung. Viele Kinder tragen lebenslange Behinderungen davon. Dieser Umstand allein sollte einen höheren Stellenwert für Vorbeugung nahelegen. 90 Prozent aller Verletzungen geschehen allerdings im häuslichen Umfeld, was systematische Interventionen erschwert. Dabei können viele Unfälle vermieden werden, wenn entsprechende Sicherheitsmaßnahmen ergriffen werden, wie langjährige Erfahrungen in anderen Ländern und im Straßenverkehr belegen. Das kann jedoch nur geschehen, wenn Unfälle nicht als Schicksalsschlag betrachtet werden, sondern als eine Verletzung, deren Verhinderung im Macht- und Verantwortungsbereich von Menschen liegt. Bei Verletzungen durch Vernachlässigung und Gewalt hat dies für wirkungsvolle Präventionsmaßnahmen eine entscheidende Bedeutung.

Spuren von Gewalt an Kindern werden fast immer als Unfall deklariert und sind für die Praktiker vor Ort und besonders in den Kliniken die größte Unsicherheit für eine sichere Beurteilung. Damit Verletzungen verhindert werden können, braucht es vor allem Eltern, die in der Lage sind, eine sichere Umgebung für ihr Kind zu gewährleisten. Und es braucht Helfer, die Eltern darin unterstützen, genau das zu schaffen. Das Lebensumfeld der Familien – vor allem in schwierigen Lagen – hat eine in Deutschland erst spät beachtete Bedeutung. Studien haben gezeigt, dass die Unfallrate allein dadurch gesenkt werden kann, dass die Eltern mehr "quality time", also aufmerksame, gemeinsame Zeit mit ihren Kindern verbringen.

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Kontakt

Delmenhorster Institut für Gesundheitsförderung
Dr. Johann Böhmann
Wildeshauser Str. 92
27753 Delmenhorst
T (04221) 99 44 03

Mehr zum Thema

Präsentation Projekt KiKuK
Niedersächsische Kinderschutzkonferenz 2013
Dr. med. Johann Böhmann und Dipl.-Psych. Anna Stumpe, Delmenhorster Institut für Gesundheitsförderung

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Link zur Website des Niedersächsischen Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung
Familien in Niedersachsen