Rückblick: Fachtag Frühe Hilfen in Niedersachsen 2019

14. Februar 2019

Rund 150 Expertinnen, Experten und Fachkräfte aus allen Bereichen der Frühen Hilfen und des Gesundheitswesens kamen am 13. Februar 2019 auf Einladung des Niedersächsischen Landesamts für Soziales, Jugend und Familie und des Sozialministeriums nach Hannover. Begrüßt wurden sie von Dr. Dirk Härdrich, Landesjugendamt, Birgit Maaß, Sozialministerium, und Susanne Keuntje, Landeskoordination Frühe Hilfen Niedersachsen. Der Fachtag stand in diesem Jahr unter dem Thema "Bindungsstörungen und Auswirkungen auf die frühkindliche Entwicklung – Frühe Hilfen als Unterstützungssystem".

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Frühe Hilfen sehr gut angekommen
Seit Beginn der Förderung Ende 2012 sind für den Auf- und Ausbau der Frühen Hilfen aus der Bundesinitiative bzw. Bundesstiftung Frühe Hilfen rund 25 Millionen Euro nach Niedersachsen geflossen. Alle antragsberechtigten Kommunen haben Mittel über die Bundesstiftung beantragt und verfügen über gut funktionierende Netzwerke.

Frühe-Hilfen-Fachtag-2019_Maaß_320pxIn ihrer Grußrede verwies Birgit Maaß darauf, dass die Frühen Hilfen mittlerweile auch weltweit auf Interesse stoßen: Mitte Dezember 2018 wurden die Frühen Hilfen Deutschland auf dem WHO-Kongress in Neu-Delhi als eines von 12 Leuchtturm-Projekten durch Vertreterinnen und Vertreter des Nationalen Zentrums Frühe Hilfen und des Bundesfamilienministeriums präsentiert.

Positive Eltern-Kind-Bindung als Grundstein für Gesundheit und Resilienz von Kindern
Bindung bietet Geborgenheit, Nähe und Zuwendung und hat eine Schutzfunktion – besonders in Situationen von Angst, Verunsicherung oder Stress. Eine sichere Bindung ist mit deutlichen Entwicklungsvorteilen verbunden. Die Resilienzforschung sieht die sichere Bindung als mächtigsten Schutzfaktor für die gesunde Entwicklung eines Kindes an. Sind Eltern-Kind Bindungen aber belastet bzw. gestört, kann dies die Entwicklung erheblich beeinträchtigen. Hier leisten die Frühen Hilfen einen wichtigen Beitrag als Unterstützungssystem. Wie das gehen kann, haben die Vorträge und Workshops des Fachtags gezeigt. Ein besonderer Fokus lag dabei auf den Bindungs- und Beziehungsaufbau zu behinderten und chronisch kranken (Pflege)Kindern.

Frühe-Hilfen-Fachtag-2019_Suess_320pxAuf die "Bedeutung von Bindung für die Entwicklung des Kindes und Auswirkungen von Störungen" ging Prof. Dr. Gerhard J. Suess, Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) Hamburg, in seinem Vortrag ein. Er gab einen Überblick über die Entwicklung der Bindungstheorie(n) seit den 1970er Jahren und deren Anwendung bzw. Umsetzung in der Praxis.

Frühe-Hilfen-Fachtag-2019_Held_320pxBindungstheorien und -mechanismen sind bei schwer behinderten oder chronisch kranken Kindern nicht 1:1 umzusetzen, teilweise funktionieren sie nicht. Hier müssen Hilfen anders angedacht werden – das machte Kerstin Held vom Bundesverband behinderter Pflegekinder e.V. in ihrem Vortrag deutlich. Als Pflegemutter mehrerer schwer behinderter Kinder schilderte sie anschaulich die besonderen Unterstützungsbedarfe von Familien mit schwerstkranken Kindern. Deutlich wurde dabei auch die besondere Rolle von Pflegefamilien, die sich in einem "Wechselbad zwischen Personalisierung und Institutionalisierung" befinden.

Im Rahmen von Workshops wurden am Nachmittag Möglichkeiten bindungsbasierter Interventionen zur Unterstützung von belasteten Familien in den Frühen Hilfen vorgestellt, u.a. Opstapje, STEEP – Steps toward effektive and enjoyable parenting, Emotionelle Erste Hilfe oder SAFE – Sichere Ausbildung für Eltern.

Land fördert Eltern- und Familienbildung
Die Programme, die im Rahmen der Workshops präsentiert wurden, können von den örtlichen Trägern der öffentlichen Kinder- und Jugendhilfe eingesetzt werden. Das Land Niedersachsen beteiligt sich bei Vorlage eines Handlungskonzeptes mit einer Förderung von bis zu 50 Prozent. Viele der Elternbildungsprogramme werden bereits in den Kommunen eingesetzt.

Für gewinnbringende Kooperationen vor Ort bieten sich im Rahmen der Frühen Hilfen auch die 25 niedersächsischen Familienbildungsstätten an, so die Empfehlung des Sozialministeriums. Sie geben Eltern vielfältige Anregungen für die Bewältigung des Erziehungsalltags und haben breite Ansatzpunkte, um eine positive Eltern-Kind-Bindung zu unterstützen. Darüber hinaus verfügen sie auf lokaler Ebene bereits über vielfältige Kooperationsstrukturen.

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Eine Dokumentation des Fachtags Frühe Hilfen ist auf der Website der Landeskoordinierungsstelle Frühe Hilfen Niedersachsen geplant: www.soziales.niedersachsen.de

Kontakt

Landeskoordinierungsstelle für die Bundesinitiative Frühe Hilfen
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Landesamt für Soziales, Jugend und Familie - Außenstelle Hannover
Schiffgraben 30-32
30175 Hannover
Susanne Keuntje
T (0511) 89 70 13 06
Susanne.Keuntje@ls.niedersachsen.de
Anke Boes
T (0511) 89 70 13 07
Anke.Boes@ls.niedersachsen.de

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Link zur Website des Niedersächsischen Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung
Familien in Niedersachsen