BAG Landesjugendämter: 5 Thesen zu den Auswirkungen der Coronakrise auf Kinder und junge Menschen

4. Januar 2021

BAG-Landesjugendämter_LogoDie BAG Landesjugendämter hat 5 Thesen und daraus resultierende Forderungen zu den Auswirkungen der Coronakrise auf die Kinder- und Jugendhilfe formuliert:

Bei allen zukünftigen Entscheidungen zur Pandemieeindämmung, die immer eine Abwägung zwischen gesundheitlichen, wirtschaftlichen und sozialen Gesichtspunkten darstellen, sind die Auswirkungen und Folgen für Kinder und Jugendliche zu reflektieren und gleichberechtigt mit in die Entscheidungsprozesse einzubeziehen.

Die Strukturen der Kinder-und Jugendhilfe sind systemrelevant und für das zukunfts-fähige Funktionieren dieser Gesellschaft unverzichtbar. Die bisherigen Sicherungsmaßnahmen des Bundes, des Landes und der Kommunen zur Aufrechterhaltung der Strukturen der Kinder-und Jugendhilfe müssen auch bei längerem Andauern der Krise aufrechterhalten werden.

Neben der Finanzierung und Beschaffung von fehlender Technik geht es vor allem um das Erarbeiten von Methoden für einen sinnvollen, praktikablen und zugleich datenschutzkonformen Umgang mit den neuen Kommunikationsformen. Mitarbeitende aller Altersstufen müssen dabei mitgenommen werden. Es braucht zeitliche und finanzielle Ressourcen sowie einen trägerübergreifenden Abstimmungsprozess. Darüber hinaus bedarf es der Offenheit der jeweiligen IT-Abteilungen bzw. -Dienstleister für die Anforderungen der Kinder-und Jugendhilfe. Außerdem muss die digitale Kommunikation als Daueraufgabe begriffen werden.

Um zu verhindern, dass Jugendliche vom Ausbildungs-und Arbeitsmarkt abgekoppelt werden, sind die arbeits- und ausbildungsmarktpolitischen Programme des SGB II und des SGB III zu aktivieren. Besondere Aufmerksamkeit verdient in diesem Zusammenhang der § 13 (Jugendsozialarbeit) des SGB VIII, der die betroffenen Zielgruppen besonders benachteiligter Jugendlicher mit den bewährten Maßnahmen der Jugendhilfe in den Mittelpunkt rückt.

Bestehende Beteiligungsformate, die auf der Agenda nach hinten gerutscht sind, sind zu reaktivieren und auszubauen. In die politische Diskussion um den richtigen Weg der Pandemiebekämpfung sind Kinder und Jugendlichen mit einzubeziehen. Gerade sie sind überdigitale Kommunikation eher gut erreichbar.

Fazit
Die Coronakrise hat und wird in allen gesellschaftlichen Bereichen nachhaltige Schäden hervorrufen. Im Zuge der Krisenbewältigung und der Kompensation der Krisenschäden muss der Situation von Kindern und Jugendlichen verstärkt Rechnung getragen werden. Um die Nachteile für die junge Generation abzufedern, bedarf es eines Nachteilsausgleichs in Bezug auf Kindheit, Jugend und das junge Erwachsenenalter. Dies schließt eine Teilhabe der jungen Generation an den Corona-bedingten Entscheidungen ebenso mit ein, wie eine Berücksichtigung von deren speziellen Bedarfen und Bedürfnissen, die ein gesundes Aufwachsen garantieren. Dies schließt aber auch eine größere und schnellere Anstrengung zur technischen Ausstattung benachteiligter Kinder und Jugendlicher mit ein und ein aktives Gegensteuern gegen eine möglicherweise neue drohende Jugendarbeitslosigkeit. Teil dieses Nachteilsausgleichs ist aber auch ein finanzielles Unterstützungsprogramm, das die zuständigen Institutionen stärkt. Der Blick muss sich richten auf die unverzichtbare Arbeit der Jugendämter als sozialpädagogische Fachbehörde sowie der freien Träger und ihrer Angebote, die gemeinsam das Aufwachsen aller Kinder und Jugendlichen begleiten und damit das Leben der Familien vor Ort maßgeblich mitgestalten. Das System der Kinder- und Jugendhilfe muss in seiner Funktionalität und Wirksamkeit gestärkt und nachhaltig weiterentwickelt werden. Bund, Länder und Kommunen müssen gemeinsam dafür einstehen, dass den Institutionen der Kinder-und Jugendhilfe ausreichende Mittel für die qualifizierte Unterstützung der Familien und der jungen Generation zur Verfügung stehen. Jugendämter sind gemeinsam mit ihren Partnern der Kinderschutzgarant, sie sind Familienunterstützer und Ansprechpartner für Kinder, Jugendliche und deren Familien.

zurück

zurück

Link zur Website des Niedersächsischen Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung
Familien in Niedersachsen