Konsequenzen für die ärztliche Praxis

Die ärztliche Praxis ist Teil des Hilfesystems

Die Hilfen, die ein misshandeltes oder missbrauchtes Kind und dessen Familie benötigen, sind unter Umständen sehr differenziert und zeitintensiv. Dies erfordert die systematische Zusammenarbeit verschiedener Fachleute. Die ärztliche Praxis ist Teil eines Systems von Einrichtungen, die Hilfen anbieten. In diesem Kontext sind die folgenden Institutionen wichtige Ansprechpartner:

Jugendamt

Als staatliche Institutionen haben die Jugendämter den gesetzlichen Auftrag, bei Vorliegen einer Gefährdung den Schutz von Kindern sicher zu stellen und Hilfen für betroffene Kinder und ihre Eltern zu organisieren. Sie haben allen Hinweisen über eine (drohende) Gefährdung nachzugehen, sich entsprechende Informationen zu verschaffen und das Gefahrenpotential einzuschätzen. Jugendämter können betroffenen Kindern und Eltern einerseits Hilfen anbieten und andererseits ggf. eine Trennung des Täters vom Opfer durchsetzen und z. B. eine Fremdunterbringung des Kindes einleiten. Wenn die Eltern keine Einwilligung dazu erteilen, kann das Jugendamt ein Kind vorübergehend "in Obhut nehmen" und den Entzug des Aufenthaltsbestimmungsrechts oder des Sorgerechts in die Wege leiten. Über Veränderungen oder Einschränkungen des Sorgerechts entscheidet das Vormundschafts- bzw. das Familiengericht.

Spezialisierte Beratungsstellen

In Niedersachsen gibt es 30 Beratungsstellen, die sich auf die Arbeit zu Kindesmiss- handlung und sexualisierter Gewalt spezialisiert haben. Diese "Beratungsstellen zum Schutz von Kindern vor Gewalt" beraten und unterstützen nicht nur die Betroffenen selbst, sondern stehen auch als Ansprechpartner für Fachkräfte anderer Professionen zur Verfügung.

Einrichtungen des Kinderschutzbundes

Deutscher-Kinderschutzbund_Logowww.kinderschutzbund-niedersachsen.de
Die Angebote des Kinderschutzbundes sind von Ort zu Ort unterschiedlich gestaltet. Welche Ortsverbände eine Beratungsstelle vorhalten, kann beim Landesverband des Kinderschutzbundes erfragt werden. Grundsätzlich können die Einrichtungen des Kinderschutzbundes Auskunft über die vor Ort existierenden Beratungs- und Unterstützungsangebote für Eltern und Kinder geben.

Kinderschutzzentren

Kinderschutz-Zentren-Hannover-und-Oldenburg_Logowww.ksz-hannover.de
www.kinderschutzzentrum-ol.de
Die Kinderschutzzentren in Hannover und Oldenburg stellen ein umfassendes Hilfeangebot für Kinder, Jugendliche und Eltern bei Misshandlung, Vernachlässigung und sexueller Gewalt zur Verfügung. Dazu gehören Beratung, Diagnostik, Fachberatung und je nach lokaler Ausrichtung Therapie, qualifizierte Weiterleitung, Qualifizierung.

Familien-, Erziehungs- und Psychologische-Beratungsstellen

www.dajeb.de
Auch in Beratungsstellen ohne spezifisches Angebot zum Thema "Kindesmisshandlung" besteht grundsätzlich die Möglichkeit, betroffene Eltern zu beraten und zu unterstützen. Auch eine kollegiale Beratung ist möglich. Der "Beratungsführer online" der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Jugend- und Eheberatung e.V beinhaltet über 11.700 Beratungsstellen inklusive bundesweite Internet- und Telefondienste.

Öffentlicher Gesundheitsdienst

www.nlga.niedersachsen.de
Auch der Öffentliche Gesundheitsdienst (ÖGD) übernimmt seinen Part im Rahmen der Fürsorge und Förderung der Kindergesundheit, u. a. im Rahmen von gesundheitsfördernden Maßnahmen in Kindertageseinrichtungen und Schuleingangsuntersuchungen.

In § 5 Abs. 1 Niedersächsisches Gesetz über den öffentlichen Gesundheitsdienst (NgöGD) ist geregelt, dass der kommunale ÖGD, gemeinsam mit Kindertageseinrichtungen, gesundheitsfördernde Maßnahmen zum Schutz der Kinder- und Jugendgesundheit durchzuführen hat. Dies beinhaltet auch die Möglichkeit zur Durchführung ärztlicher Untersuchungen. Hierüber entscheiden die Landkreise und kreisfreien Städte seit dem 1. Juli 2007 im eigenen Wirkungskreis.

Nachdem das NGöGD überarbeitet wurde, sind zukünftig Schuleingangsuntersuchungen in Niedersachsen verbindlich vorzunehmen. Im Niedersächsischen Schulgesetz wird seit dem 1. August 2008 eine korrespondierende Teilnahmeverpflichtung für einzuschulende Kinder und deren Erziehungsberechtigte getroffen.

Kooperation mit anderen Einrichtungen

Effektive Hilfen können Ärzte organisieren, je besser sie über andere Einrichtungen informiert sind. Im Serviceteil dieses Leitfadens finden Sie eine Übersicht über spezielle Hilfeeinrichtungen und Behörden. Trotz knapper Zeit in den Praxen ist es eine sinnvolle Möglichkeit interdisziplinäre Kooperationen zu entwickeln und zu fördern, sowie Fortbildungen und Arbeitskreise der beteiligten Fachinstitutionen und -personen auf lokaler bzw. regionaler Ebene zu nutzen.

Projekt "Kinderschutz"

Kinderschutzambulanz-MHH_Logowww.mhh.de/kinderschutz
Das Institut für Rechtsmedizin der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) und die Außenstelle Oldenburg bieten niedergelassenen und klinisch tätigen Ärztinnen und Ärzten flächendeckend in Niedersachsen nun auch unabhängig von einer Strafanzeige eine kostenfreie diagnostische Unterstützung. Bei Bedarf bietet die Ambulanz auch Spurensicherung bei vermuteter Kindesmisshandlung und sexuellem Missbrauch. Mit den verschiedenen Projektbausteinen wie der "Hotline Kinderschutz", Untersuchungen in der Kinderschutzambulanz (Hannover und Oldenburg) und dem Telekonsildienst "Cryptshare" werden eine qualifizierte medizinische Beratung und Interpretation von Verletzungen schnell, niederschwellig und unkompliziert bereitgestellt.

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Link zur Website des Niedersächsischen Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung
Familien in Niedersachsen