Kinderschutz im gemeinsamen Handeln verschiedener Institutionen

Jugendhilfe, Schule, Gesundheitshilfe, Institutionen der materiellen Absicherung, Justiz und Polizei – sie alle haben das Phänomen der Vernachlässigung mehr oder weniger stark im Blick. Dennoch muss die Kooperation der Institutionen verbessert werden. Denn im Bereich der Kindesvernachlässigung gibt es keine einfachen Handlungs- und Lösungskonzepte. Eine Hilfe für Vernachlässigungsfamilien kann nur dann wirksam erbracht werden, wenn alle Ursachen gleichermaßen berücksichtigt werden. Dies erfordert die Beteiligung und Vernetzung aller Fachkräfte, Dienste und Disziplinen.

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Kooperativer Kinderschutz

In den letzten Jahren gab es vermehrt Forderungen nach stärkerer Kooperation und Vernetzung in der Sozialen Arbeit. Der Hintergrund ist eine stärkere Ausdifferenzierung und Spezialisierung in den Arbeitsfeldern. Insbesondere bei komplexen Problemlagen haben die betroffenen Personen häufig mit mehreren Institutionen zu tun, die aufgrund ihrer Spezialisierung nur partiell mit ihnen arbeiten. Hierbei können lange Hilfekarrieren entstehen, bei denen die Adressatinnen und Adressaten mehrere Einrichtungen durchlaufen, ohne dass sich diese untereinander abstimmen. Um so einer Entwicklung entgegenzuwirken und die Effektivität von Hilfen zu steigern, sollten die Professionen zusammenarbeiten und ihre Angebote aufeinander abstimmen.

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Gesetzlicher Schutzauftrag bei Kindeswohlgefährdung (§ 8a SGB VIII)

Der Schutz von Kindern und Jugendlichen ist für die Einrichtungen und Dienste der Jugendhilfe bereits seit 1990 im m SGB VIII gesetzlich festgeschrieben. Wie genau die Dienste diesen Auftrag aber erfüllen sollten, war gesetzlich nicht geregelt. Der im Jahre 2005 eingeführte und im Rahmen des Bundeskinderschutzgesetzes 2012 neu strukturierte § 8a SGB VIII schließt rechtlich diese Lücke: Durch eine Präzisierung von Verfahrensregelungen wird er zu einer Hilfestellung für die Jugendhilfe und sorgt für eine Konkretisierung und damit für eine verbesserte Handlungssicherheit.

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Jugendhilfe

Kindesvernachlässigung ist ein zentrales Thema im Alltag der Jugendhilfe. Die Anforderungen an die sozialen Dienste haben seit der Einführung des SGB VIII (Kinder-und Jugendhilfegesetz) zugenommen. Die "Philosophie" dieses Gesetzes ist es, verstärkt familien- und kindbezogen Förderleistungen anzubieten und Interventionen dahinter zurücktreten zu lassen. Mit § 8a SGB VIII wird die Doppelfunktion von Hilfe und Schutz des Kindes, die auch Kontrolle beinhaltet, noch einmal besonders betont.

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Schule

Die Schule hat durch den Ausbau hin zu einem ganztägigen und multiprofessionellen Unterricht verstärkt Zugang zu ihren Schülerinnen und Schülern erhalten und damit gute Voraussetzungen, um schwierige Lern- und Lebenssituationen frühzeitig und differenziert zu erkennen und zu beurteilen. Gemeinsam mit den Eltern und Fachkräften der Kinder- und Jugendhilfe können und müssen notwendige Handlungsschritte eingeleitet werden. Verbindliche Handlungsabläufe und Kooperationsvereinbarungen sind hierbei hilfreich. Weiterhin kann der Einsatz von Schulsozialarbeit als Bindeglied zwischen Jugendhilfe und Schule wirken (vgl. Stuckstätte 2008). Da Schulgesetze Ländersache sind, heißt es z.B. in § 25 Abs. 3 des Nds. Schulgesetzes: "Schulen arbeiten mit den Trägern der öffentlichen und freien Jugendhilfe sowie anderen Stellen und öffentlichen Einrichtungen, deren Tätigkeit sich wesentlich auf die Lebenssituation junger Menschen auswirkt, im Rahmen ihrer Aufgaben zusammen".

Gesundheitshilfe

Allgemein gilt, dass gerade in Familien mit sozialen, wirtschaftlichen und psychischen Notlagen die gesundheitlichen Risiken und Defizite von Kindern wachsen. Gesundheitskonferenzen sind mittlerweile für jede Kommune zur Verpflichtung geworden. In jüngster Vergangenheit sind vielerorts daraus lokale Netzwerke zwischen Gesundheitshilfe und Kinder- und Jugendhilfe entstanden. Solche Netzwerke sind nicht nur bei gesundheitlichen Gefährdungen betroffener Kinder von großer Bedeutung, sondern auch deshalb, weil die Akteure des Gesundheitswesens in der Regel einen leichteren und früheren Zugang zu Familien und Kindern haben.

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Institutionen zur materiellen Absicherung

Zwar kann man bei Sozialhilfe und Arbeitslosengeld nicht von einer eigenen Disziplin sprechen, dennoch handelt es sich hierbei um einen Bereich, der gerade im Zusammenhang mit der Vernachlässigung von Kindern bedeutsam ist und sich in der jüngsten Vergangenheit sehr verändert hat. Im Problemfeld der Kindesvernachlässigung kommt der Armut von Familien eine eminente Bedeutung zu. Daher sind Qualität und Umfang der sozialen Leistungen für Familien ein wichtiger Aspekt.

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Justiz und Polizei

Auch die Justiz befasst sich mit dem Problem der Vernachlässigung. An dieser Stelle geht es allerdings nicht um den Fall, dass gegen Eltern oder gar Fachkräfte ein strafgerichtliches Verfahren eingeleitet wird.

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Handlungsgrundlagen, Rahmenbedingungen und Angebotsstruktur

Der Sozialstaat mit seinen unterschiedlichen Netzen für Kinder, Jugendliche und Eltern verliert an Kraft. Klare politische Schritte sind nötig, um der wachsenden Armut von Familien ein Ende zu setzen. Freie wie öffentliche Träger der Jugendhilfe müssen über den begrenzten Zuständigkeitsbereich des eigenen Ressorts hinausblicken und im Interesse der Kinder auch in andere gesellschaftliche Bereiche hineinwirken.

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Prävention und Frühe Hilfen

Die Prävention von Vernachlässigung setzt einen möglichst frühen Zugang zu Familien mit kleinen Kindern und Säuglingen voraus. Einrichtungen und Dienste außerhalb der Jugendhilfe, die Kontakt zu "jungen" Familien haben, sind die Dienste der Gesundheitshilfe, aber auch Einrichtungen der Familienbildung sowie der Selbsthilfe. Für einen weiteren Zugang sind niederschwellige, nicht stigmatisierende Angebote wichtig, die sich auch nicht ausschließlich an potentiell vernachlässigende Familien richten. Das Angebot an Unterstützungs- und Entlastungsleistungen für Familien, gerade mit kleinen Kindern, braucht eine sozialräumliche Orientierung.

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Beteiligung von Familien am Hilfeprozess

Im Vordergrund einer Hilfeplanung steht das ernsthafte Bemühen, Eltern, Kinder und Jugendliche, aber auch andere Personen aus dem sozialen Umfeld in die Ausgestaltung der Hilfe einzubeziehen. Hilfeplanung und Hilfegewährung ist immer ein Prozess, der sich an Situationen und Menschen orientiert.

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Erste Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner

Eine wichtige Aufgabe bei der Vorbeugung und bei der Intervention leisten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Allgemeinen Sozialen Dienstes der Kommunen, des Kinderschutzbundes, Familienhebammen, Erzieherinnen und Erzieher in Kindertagesstätten, Lehrkräfte, Nachbarn und viele andere.

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Kollegiale Beratung

Gerade im Hinblick auf die von Vernachlässigung bedrohten Kinder ist eine Praxis von Bedeutung, die sich mit dem Stichwort "kollegiale Beratung" umschreiben lässt. Auf der Grundlage des Bundeskinderschutzgesetzes haben nun alle Personen (einschließlich der Berufsgeheimnisträger und -trägerinnen), die beruflichen Kontakt mit Kindern oder Jugendlichen haben, bei der Einschätzung einer Kindeswohlgefährdung Anspruch auf entsprechende fachliche Beratung durch eine "insoweit erfahrene Fachkraft" bzw. Kinderschutzfachkraft nach § 8a SGB VIII.

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Die Kinderschutzfachkraft gemäß §§ 8a/b SGB VIII und § 4 KKG

Die "insoweit erfahrene Fachkraft" bzw. Kinderschutzfachkraft soll seit der Einführung des § 8a SGB VIII bei einer Gefährdungseinschätzung von freien Trägern der Jugendhilfe hinzugezogen werden. Auf der Grundlage des Bundeskinderschutzgesetzes haben nun alle Personen, die beruflichen Kontakt mit Kindern oder Jugendlichen haben, bei der Einschätzung einer Kindeswohlgefährdung Anspruch auf entsprechende fachliche Beratung durch eine Kinderschutzfachkraft.

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Rechtliche Rahmenbedingungen

Der Gesetzgeber stellt die Misshandlung von Kindern, und zwar die Vernachlässigung, den sexuellen Missbrauch und die körperliche Gewalt, unter Strafe. Für das Kind ist es aber meist besser, wenn andere als juristische Wege eingeschlagen werden, um die Vernachlässigung zu beenden. Liegen gewichtige Anhaltspunkte für eine Kindeswohlgefährdung vor, kann die Datenerhebung unter Beachtung bestimmter Voraussetzungen auch ohne Mitwirkung des Betroffenen erstellt werden.

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Link zur Website des Niedersächsischen Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung
Familien in Niedersachsen