Rückblick: Psychische Er­kran­kungen in der Familie – Hilfen ganz­heitlich familien­orientiert anbieten

6. Dezember 2019

Um Dynamiken, Hilfen und Handlungsmöglichkeiten bei psychischen Erkrankungen in der Familie ging es bei einem zweitägigen Kongress der Kinderschutz-Zentren in Kooperation mit dem Kinderschutz-Zentrum Oldenburg Ende November. 180 Fachkräfte, überwiegend aus Niedersachsen, hatten die Gelegenheit sich dieser für Jugendhilfe so zentralen Problematik intensiv zu widmen. Das Interesse an diesem Thema ist groß: Der Kongress war schnell ausgebucht, weitere 200 Anmeldungen konnten aus Kapazitätsgründen nicht berücksichtigt werden.

Im Fokus standen Fragen zu neuen psychiatrischen Modellkonzepten, die in der Lage sind Kinder und Erwachsene einzeln aber auch systembezogen zu begreifen und zu behandeln – so wie es gerade an 20 Bundesdeutschen Standorten erprobt werden kann. Spezifische elterliche, aber auch bei Kindern auftretende Erkrankungsformen und die damit einhergehenden Notwendigkeiten und Risikokonstellationen bzw. Herausforderungen für Kinder wurden intensiv besprochen.

Workshops und Foren zu einer Vielfalt von Themen standen zudem auf der Tagesordnung: unter anderem Gesprächsführung mit psychischen belasteten Eltern zum Thema Kindeswohl, Chancen und Möglichkeiten von Patenschaftsmodellen, Auswirkungen von FASD auf Entwicklung von Kindern, selbstverletzendes Verhalten besser verstehen, Resilienzförderung und mehr.

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Fotos: Kinderschutz-Zentrum Oldenburg

Kooperation und ganzheitliche familienorientierte Hilfe sind unabdingbar
Das Risiko selbst zu erkranken steigt für Kinder aus Familien, deren Eltern erkrankt sind, massiv an. Das gilt für ca. ein Drittel der Kinder. Berücksichtigt man die häufig auftretende Überschneidung psychischer mit Suchterkrankungen, steigt das Risiko deutlich weiter an.

Eine gelingende Kooperation zwischen Kinder und Jugendhilfe, Psychiatrie und Bildungswesen ist eine essentielle Voraussetzung für die Möglichkeit Kinder in herausfordernden familiären Situationen zu unterstützen.

Immer wieder gelangte in diesem Kontext die dringender werdende Notwendigkeit einer ganzheitlichen familienorientierten Psychiatrie bzw. Jugendhilfe in den Fokus der Aufmerksamkeit.

Intensive Netzwerkarbeit und Fokussierung auf Kooperation der verschiedenen Hilfesysteme, so wurde deutlich, sind unabdingbar für eine gelingende Arbeit. Familiäre Dynamiken können nur gemeinsam in Zusammenarbeit zwischen Psychiatrie und Jugendhilfe verstanden und begleitet werden. Und nur in Kooperation auch mit dem Bildungsbereich haben Kinder die Chance auf passgenaue Unterstützung. Eltern und Kinder müssen zusammen gedacht werden. Um diese Zusammenarbeit zu ermöglichen, ist es nötig Ressourcen auf allen Seiten bereit zu stellen.

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Quelle: Kinderschutz-Zentrum Oldenburg

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Link zur Website des Niedersächsischen Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung
Familien in Niedersachsen