Kinderrechte in päda­go­gischen Ein­richtungen - Präventions­stelle Kinder­schutz­konzepte mit neuem Fort­bildungs­schwer­punkt

26. Juni 2014

Rechte-von-Mädchen+Jungen-in-Einrichtungen_LogoSeit 2011 unterstützt die "Präventionsstelle Kinderschutzkonzepte" des Kinderschutz-Zentrums Hannover Einrichtungen und Verbände in Niedersachsen bei der Implementierung von Kinderschutz-Konzepten gegen sexuelle Gewalt und Übergriffe. In 2014 hält das neue Projekt "Rechte von Mädchen und Jungen in Einrichtungen wieder Informations- und Qualifizierungsveranstaltungen in Form von Inhouse-Seminaren und Vorträgen bereit, die thematisch passgenau zusammengestellt werden können. Die Referentin des Projektes Marlies Kroetsch gab im Interview Auskunft zur Bilanz nach drei Projektjahren und zum neuen Fortbildungsschwerpunkt.

Frau Kroetsch, Ende März lief das Projekt "Kinderschutzkonzepte in pädagogischen Einrichtungen und Verbänden" der Präventionsstelle Kinderschutzkonzepte aus. Welche Bilanz ziehen Sie nach drei Jahren Laufzeit?

Mit dem Projekt haben wir Einrichtungen und Verbände in Niedersachsen bei der Implementierung von Kinderschutz-Konzepten gegen sexuelle Gewalt und Übergriffe unterstützt. Durch die Finanzierung des Niedersächsischen Sozialministeriums standen als Basisangebote vier kostenlose Projektbausteine zur Verfügung: Informationsveranstaltungen, die Qualifizierung von Fachkräften, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die Etablierung eines Verfahrensablaufs für Verdachts- und Interventionsfälle und ein Workshop Wissen für Mädchen und Jungen. Die Flexibilität des Projekts und die Möglichkeit, die Projektbausteine eigenverantwortlich zusammenstellen zu können, wurden äußerst positiv wahrgenommen. Die Nachfrage an Veranstaltungen war auch im letzten Jahr größer als unser Angebot. Allein von Januar 2013 bis Ende März 2014 haben wir niedersachsenweit 80 Veranstaltungen durchgeführt und über 550 Fach- und Leitungskräfte erreicht. Das war nur möglich, weil wir im Sommer 2013 zusätzlich 16 Referentinnen und Referenten qualifiziert haben.

Welche Einrichtungen haben das Angebot denn angenommen?

Bislang haben wir damit Krippen, Kindertagesstätten, Horte bzw. einen Pädagogischen Mittagstisch, Beratungsstellen, teilstationäre und stationäre Einrichtungen von freien und öffentlichen Jugendhilfeträgern und Jugendverbände erreicht.

Und wie sieht es mit dem vierten Baustein, dem Angebot für Kinder und Jugendliche selbst, aus?

Die Kinder und Jugendlichen selbst als Zielgruppe für Wissen über Schutz vor sexueller Gewalt konnten wir in den ersten drei Projektjahren noch nicht berücksichtigen - auch weil die Fachkräfte immer noch Unsicherheiten zeigten dieses Thema gemeinsam mit den Mädchen und Jungen anzugehen. Diese Lücke wurde nun im letzten Quartal geschlossen: Den ersten "Kinderrechteworkshop" haben wir im Januar 2014 durchgeführt. Der mehrstündige Workshop soll Kindern und Jugendlichen Wissen über ihre Rechte in Einrichtungen vermitteln. Außerdem können sie Beteiligung praktisch erproben: Dabei werden auch realistische Lösungsmöglichkeiten für Konflikte und Unterstützungs- und Beschwerdemöglichkeiten bei (drohenden) Gewalterfahrungen erarbeitet. Die Workshops sind vorrangig für die Altersgruppe der 10- bis 14-Jährigen konzipiert. Es gibt schon eine Warteliste von interessierten Einrichtungen.

Das Thema Kinderrechte ist ja auch der Schwerpunkt der neuen Inhouse-Veranstaltungen...

Wir haben im vergangenen Projekt die Erfahrung gemacht, dass es eine große Hürde ist, sich mit dem Thema sexuelle Gewalt auseinanderzusetzen. Das signalisieren viele Einrichtungen in Telefongesprächen immer noch. Bei der Enttabuisierung des Themas sexuelle Gewalt gegen Mädchen und Jungen in der eigenen Einrichtung muss man sensibel vorgehen. Deshalb haben wir in diesem Jahr den Fokus auf die Implementierung und Sicherung der Rechte von Kindern und Jugendlichen in Einrichtungen gelegt: Das heißt, dass der Blick sowohl auf die Stärkung der Kinder und Jugendlichen gerichtet wird, als auch auf Einrichtungsfaktoren, die sich positiv auf die Sicherung von Kinderrechten auswirken. Das entspricht auch den Entwicklungslinien, die der Gesetzgeber mit dem Bundeskinderschutzgesetz vorgibt. Natürlich bleibt das Thema sexuelle Gewalt durch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch weiterhin zentral in den Veranstaltungsbausteinen und auch das bislang vermittelte Grundlagenwissen zu Kinderschutz-Konzepten - aber es ist jetzt noch mehr mit Lösungsmöglichkeiten für die Fachkräfte verknüpft.

Was heißt das genau?

Neben den bisher angebotenen Bausteinen (Basiswissen zu sexueller Gewalt in Einrichtungen, Qualifizierung der Mitarbeitenden und Verfahrensplanung) gibt es nun zusätzlich thematisch vertiefende Bausteine: Themen wie Risikoanalyse der eigenen Einrichtung, Umgang mit fachlichem Fehlverhalten, Rechte von Mädchen und Jungen, Partizipation, Reflexion der pädagogischen Grundhaltung, Erarbeitung von Konzepten, die einen Beitrag zur Sicherung der Rechte von Mädchen und Jungen leisten können, wie z.B. dem sexualpädagogischen Konzept.

Und wie sieht die weitere Planung für 2014/15 aus?

Wir werden zusammen mit Mädchen und Jungen einen Kinderrechte-Flyer entwickeln. Damit ist es für die Einrichtungen dann noch leichter die Inhalte, die wir im Kinderrechteworkshop erarbeiten, langfristig in der Einrichtung lebendig zu halten. Außerdem ist vorgesehen Bausteine zu den Themen Inklusion sowie Kinderschutz für Kinder mit Migrationshintergrund zu entwickeln. Zu diesen Bereichen äußern die Einrichtungen, mit denen wir arbeiten, immer wieder Unterstützungsbedarf. Damit werden die Inhalte passgenauer - nicht nur für den individuellen Stand der Einrichtungen, sondern auch für die unterschiedlichen Zielgruppen.

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Weitere Informationen zu den Inhouse-Veranstaltungen finden Sie im Flyer.

Kontakt

Präventionsstelle Kinderschutz-Konzepte
Deutscher Kinderschutzbund
Landesverband Niedersachsen e.V.
Escherstr. 23
30159 Hannover
T (0511) 21 34 99 83 oder (0511) 44 40 75
www.ksz-hannover.de
www.kinderschutzbund-niedersachsen.de

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Familien in Niedersachsen