Wie leben Pflegekinder mit Behinderung? Was brauchen sie? Und was sollte ein künftiges Kinder- und Jugendhilfe-Gesetz berücksichtigen? Diese Fragen behandelt eine neue Handreichung des Bundesverbands behinderter Pflegekinder e.V. (BbP). Am 16. Dezember 2025 hat der Bundesverband die "Handreichung zur inklusiven Pflegekinderhilfe" offiziell an das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) übergeben. Mitglieder des Kinder- und Jugendrates des BbP überreichten das erste gedruckte Heft im Familienministerium an Staatssekretärin Dr. Petra Bahr.
Die rund 100 Seiten starke Handreichung ist das Ergebnis eines breit angelegten partizipativen Beteiligungsprozesses: In vier Runden haben sich über 70 Beteiligte eingebracht, Expertinnen und Experten aus den Bereichen Jugendhilfe, Eingliederungshilfe und Soziales sowie Pflegeeltern aus ganz Deutschland beteiligt waren – darunter auch zahlreiche Vertretende aus niedersächsischen Kommunen. Gesteuert und koordiniert wurde der Prozess im Laufe diesen Jahres vom Bundesverband behinderter Pflegekinder e.V. im Auftrag des Ministeriums.
Die Ergebnisse der Expertenrunden wurden im Anschluss in der Fachgruppe "Inklusive Pflegekinderhilfe" vertieft ausgewertet und weiterentwickelt. Fachlich begleitet wurde der gesamte Prozess vom Perspektive-Institut in Bonn, dass die strukturierte Beteiligung und Ergebnissicherung unterstützte.
Die Finanzierung der Handreichung erfolgte durch die Bundesregierung aus Mitteln des Kinder- und Jugendplans des Bundes (KJP).
Verfasst wurde die Handreichung durch die Bremer Agentur selbstverständlich in "Verso", einer leicht verständlichen Sprache, mit dem Ziel Barrieren in der Kommunikation abzubauen.
Ziel der Handreichung ist es, einen politischen Impuls zu setzen, um die Situation von Pflegefamilien mit behinderten Pflegekindern nachhaltig und systemisch zu verbessern. Sie ist als fachliche Orientierung zu verstehen, denn aktuell sind Kinder mit Behinderung in der deutschen Kinder- und Jugendhilfe noch immer vielfach ein blinder Fleck. Die Handreichung bündelt Perspektiven, Praxiserfahrungen und Handlungsempfehlungen und macht deutlich, dass inklusive Pflegekinderhilfe nur gelingen kann, wenn Zuständigkeiten, Unterstützungsleistungen und Beteiligungsstrukturen besser verzahnt werden.
