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Runder Tisch Kinderschutz: Impulse für die Bundesregierung

Wie kann der Schutz von Kindern und Jugend­li­chen vor Gewalt in Deutschland strukturell gestärkt werden – und welche Maßnahmen entfalten die größte Wirkung? Mit diesen Fragen beschäftigte sich der "Runde Tisch Kinderschutz" am 11. Mai in Berlin. Dazu ein­ge­laden hatte die World Childhood Foundation Deutschland (WCFD) gemeinsam mit der Unab­hän­gi­gen Bundesbeauftragten gegen sexuellen Missbrauch von Kindern und Ju­gend­lichen (UBSKM), Kerstin Claus. Ver­treter:innen aus Politik, Justiz, Wissen­schaft, Medizin, Jugend­hilfe, Sicher­heits­be­hör­den und Betrof­fenen­ver­tre­tungen kamen zusammen, um konkrete Hand­lungs­bedarfe zu diskutieren, Ver­ant­wort­lichkeiten zu be­nen­nen und intersektorale Entwicklungsziele für den Kinderschutz in Deutschland zu for­mu­lieren. Die Ergebnisse der Veranstaltung sollen in ein gemeinsames Handlungs­papier einfließen und der Bundesregierung über­ge­ben werden.

Eröffnet wurde die Veranstaltung von Ihrer Majestät Königin Silvia von Schweden, Gründerin der World Childhood Foundation, Elke Büdenbender, Ehefrau des Bundespräsidenten, und Kerstin Claus. "Kinder, die Gewalt erleben, können nicht warten – weder auf zuständige Behörden, noch auf abgeschlossene Verfahren, oder politische Einigung", betonte Claus. "Dieser Runde Tisch steht dafür, dass wir gemeinsam Verantwortung übernehmen – sektor­übergreifend, verbindlich und mit Blick auf das, was nachweislich hilft."

Der Runde Tisch knüpfte an die Veranstaltung im Jahr 2024 in Schloss Bellevue an und setzte erstmals auf ein erweitertes World-Café-Format. Im Mittelpunkt standen konkrete fachliche Arbeitsprozesse statt einzelner Impulsbeiträge. In sechs parallelen Fachforen diskutierten die Teilnehmenden Herausforderungen und Lösungsansätze in den Bereichen Gesundheit, Ökonomie und Finanzen, Recht und Rechtsstaat, Jugendhilfe und Soziales, Opferschutz und Innere Sicherheit sowie Wissenschaft und Bildung.

Leitend für alle Foren war die Frage: "Was wirkt – was kostet es – und wie schaffen wir maximale Wirkung bei begrenzten Ressourcen?" Im Fokus standen evidenzbasierte Maßnahmen sowie die Identifikation von Wirkungsverlusten durch Doppelstrukturen, fehlende Standards, Zuständigkeitsbrüche oder mangelnde Koordination zwischen den Systemen.

Im Fachforum Gesundheit diskutierten die Teilnehmenden unter anderem über die Folgen verspäteter Früherkennung, lange Wartezeiten in der Versorgung sowie Problemen an der Schnittstelle zwischen medizinischen Angeboten und Jugendhilfe. Im Forum Ökonomie und Finanzen standen die gesell­schaft­lichen Kosten verspäteter Interventionen sowie Fehlanreize in bestehenden Finanzierungsstrukturen im Mittelpunkt. Das Forum Recht und Rechtsstaat beschäftigte sich mit Verfahrensdauern, sekundärer Traumatisierung und der Frage, wie rechtliche Verfahren kindgerechter gestaltet werden können.

Weitere Diskussionen widmeten sich den Belastungen und strukturellen Herausforderungen in Jugendhilfe und Sozialer Arbeit, dem Schutz von Betrof­fenen im Kontext digitaler Gewalt sowie dem besseren Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in Praxis und Bildungssystemen. In allen Fachforen spielte zudem die Frage eine zentrale Rolle, wie die Perspektiven Betroffener wirksam in Entscheidungs- und Schutzprozesse integriert werden können.

In der abschließenden Zusammenführung der Ergebnisse wurde deutlich: Wirksamer Kinderschutz erfordert verbindliche Kooperationen. Viele Teil­neh­mende betonten zudem, dass Prävention, Früherkennung und Unterstützung sektorübergreifend gedacht und langfristig abgesichert werden müssen.

Die Bundesmissbrauchsbeauftragte Kerstin Claus fasste zusammen: "Kinder müssen im Mittelpunkt stehen – in Gesundheit, Jugendhilfe, Recht und Bildung. Schutz, Früherkennung und Hilfe dürfen nicht an Systemgrenzen scheitern. Dafür brauchen wir: Klare Prioritäten, stabile Strukturen und eine langfristige Finanzierung."

Hintergrund:
Die World Childhood Foundation wurde 1999 von Königin Silvia von Schweden gegründet. Als Pionierin für systemische Veränderung im Kinderschutz setzt sich die Stiftung weltweit dafür ein, Kinder und Jugendliche wirksam vor (sexueller) Gewalt und Ausbeutung zu schützen und ihre Rechte zu stärken.

Mit Ihrer Majestät Königin Silvia von Schweden und Elke Büdenbender traten zwei langjährige Unterstützerinnen von Kinderrechten und Kinderschutz gemeinsam als Schirmherrinnen der heutigen Veranstaltung auf. Diese besondere Konstellation im letzten Amtsjahr der Ehefrau des Bundespräsidenten unterstrich die hohe gesellschaftliche und politische Relevanz des Themas Kinderschutz.

Quelle und weitere Informationen: USBKM, 11.06.2026, beauftragte-missbrauch.de